Sigrid Varduhn
Autorin | Schreibcoach | Erzählerin

Der Februar ging ganz schön fix vorbei, zumindest war es bei mir so. Und den März erlebe ich oft als den eigentlichen Start ins neue Jahr, wenn neue Projekte sich – so wie die Frühblüher im Garten oder Park – noch deutlicher zeigen. 

Im Newsletter stelle ich diesmal einen aktuellen Schreibwettbewerb für Flash Fiction vor, den Workshop “Was willst du wirklich schreiben?” und den Erzählspaziergang “Weibsleutgeschichten” zum Frauentag. 

Lass dich gern inspirieren, herzlich grüßt  

Sigrid

Bis 100 Wörter – Flash Fiction in 12 Sprachen

Gerade angelaufen – der 7. Kürzestgeschichten-Wettbewerb der European Association of Creative Writing Programmes. Wieder lässt es sich in vielen Sprachen teilnehmen – auch in Deutsch. Thema diesmal: “ambiguous“ – also “zweideutig” oder “vieldeutig”. Das passt, denn die “Mini-Romane” regen durch ihre Kürze oft zu mehreren Deutungen an. Mehr wissen + mitmachen: EACWP Flash Fiction Contest 2024

books, to study, literature

Was willst du wirklich schreiben?

Wenn ich in früheren Tagebüchern blättere oder auf lange nicht angesehene Dateiordner stoße, entdecke ich auch Geschichten oder Ideen, die ich fast nicht wiedererkenne. Ich bin dann oft einfach nur verblüfft, wie lange ich an diesem Thema oder Motiv schon dran bin. 

Vielleicht geht es dir auch so: Da hat sich etwas angesammelt in den Jahren: an einzelnen Geschichten, an Textfragmenten, an Ideen. Diese Fülle kann sich reich anfühlen, aber auch zu der Frage führen: Wo möchte ich wirklich dranbleiben? Was ist mein roter Faden? Wie lassen sich meine Schreibideen verbinden oder verdichten? 

In der Online-Schreibwerkstatt „Was willst du wirklich schreiben? Deine Stoffschatztruhe“ am 6. und 7. April werden wir genau danach Ausschau halten: den roten Fäden unseres Schreibens. Wenn dich das interessiert, komm gern dazu. 

Zum Frauentag: Weibsleutgeschichten

Auch 2024 entführe ich mit meinen Erzählspaziergängen wieder in Märchenwelten. Den Start machen die „Weibsleutgeschichten“ am internationalen Frauentag: Märchen von listigen und lustigen Frauen aus aller Welt. Zum Beispiel davon, wie es wirklich ist, sich einen Mann – oder eine Frau – zu backen. Also, wer am 8. März durch Caputh märchenlustwandeln möchte: Weibsleutgeschichten

Im Dezember bin ich immer ein wenig zwischen den Welten. Einerseits genieße ich die Stimmung im Advent. Andererseits schaue ich auch schon aufs nächste Jahr und das, was es mir bringen mag. 

In diesem Newsletter geht es deshalb auch um mehreres: 1. den Ausblick auf kreative Impulse im Online-Schreibkurs “Kunst inspiriert. Kreatives Schreiben in Museen und Ausstellungen”, der am 25. Januar startet. 2. eine Kreativ-Box für dich oder als Geschenk. Und 3. das Im-Advent-sein, mit dem Lesen, Hören und Schreiben von Advents- und Weihnachtsgeschichten. 

Lass dich gern inspirieren, herzliche Grüße sendet 

Sigrid

Eine Kunst steckt die andere an.

Vor 3 Jahren in einer Ausstellung in Schleswig: Zu den surrealistischen Bildern des schottischen Künstlers Alastair Magnaldo gehen mir sofort märchenhafte Geschichten durch den Kopf. Und auch jetzt noch Jahre später habe ich ein Bild besonders vor Augen, in dem eine Frau auf einer Leiter aus dem Meer steigt. Warum sich mir das so besonders eingeprägt hat? Ich glaube: Weil ich gleich dazu geschrieben habe.

Aus der Verbindung von kreativem Schreiben und Kunst ist nun der 8-wöchige Online-Kurs “Kunst inspiriert. Kreatives Schreiben in Museen und Ausstellungen” entstanden. Er startet am 25. Januar. 

Das Besondere daran: In 4 Live-Online-Treffen über Zoom probiert die Gruppe gemeinsam in Online-Ausstellungen das kreative Schreiben zur Kunst aus. Und mit den Impulsen (und weiteren Varianten) machst du dich bis zum nächsten Treffen auf den Weg in die Ausstellungen und Museen deiner Wahl und erzählst per E-Mail davon in die Gruppe. So schauen sich alle die Ausstellungen an, die sie schon längst besuchen wollten, und erhalten Tipps für viele weitere inspirierende Orte. 

Das interessiert dich auch? Dann bleib gern dran: Mehr Infos zum Kurs, die Kursbeschreibung zum Herunterladen und die Termine der Live-Online-Treffen findest du unter Kunst inspiriert – 8-wöchiger Online-Schreibkurs

Gleich kreativ werden

Du möchtest gleich kreativ werden? Oder etwas Kreatives zu Weihnachten verschenken? Dann ein Tipp ganz frisch von meinem Spiele-Tisch: Mit 80 originellen und liebevoll gestalteten Impulskarten stiftet “Kunst aus der Box” zum Ins-Zeichnen-Kommen und Um-die-Ecke-denken an. 

Gleich als erstes habe ich die Karte “Plitsch-Platsch” gezogen. Ich sollte ein Gefäß mit Wasser füllen und die Dinge zeichnen, die darin untergehen. Und was soll ich sagen? Als Wortfrau hatte ich dazu gleich eine Geschichtenidee. Deshalb von mir als Zusatztipp: Viele der Impulse lassen sich auch fürs kreative Schreiben nutzen. Dann bist du gleich doppelt kreativ.

Das Spiel: “Kunst aus der Box”, Laurence King Verlag, ca. 15 Euro

Du kannst Kreativität nicht aufbrauchen. Je mehr du sie nutzt,
desto mehr hast du.” Maya Angelou, US-amerikanische Schriftstellerin

Im Advent ankommen

Das neue Jahr ist noch weit weg und du kommst gerade erst im Dezember an? Dann lass dich in Stimmung bringen – auch mit Advents- und Weihnachtsgeschichten.

Wie du auf Ideen zu deinen eigenen Geschichten kommst und sie weiterentwickelst, erfährst du in meiner (Back-)Anleitung im Blog. Lies gern hinein: “Wie du deine wunderbare Adventsgeschichte schreibst“. Ich wünsche dir einen wunderbaren Advent. 

Vor einigen Jahren war ich an einem Romanprojekt dran, das ich immer weitertrieb, obwohl ich längst nicht mehr mit dem Herzen dabei war. Und als ich es dann doch beiseitelegte und ein Buch mit Geschichten schrieb, ging mir das erstaunlich leicht von der Hand.

Kennst du das, ganz euphorisch in ein Schreibprojekt gestartet zu sein, aber immer mal wieder oder auch ganz die Freude daran zu verlieren? Und dann zu überlegen, ob du an diesem Schreibstoff dranbleibst oder wie es weitergehen kann? Dann lies gern weiter. Denn in diesem Newsletter geht es darum, in deiner Schreib- und Stoffschatztruhe zu stöbern, um deine Schätze (wieder) zu finden und die Freude an dem, was dir wirklich wichtig ist.  

Eine gute Zeit beim Entdecken deiner Schätze wünscht dir

Sigrid

PS: Am 2. November startet der 6-wöchige Online-Schreibkurs “Flash Fiction – Kürzestgeschichten”. Wenn du gleich schauen möchtest, was Neues an Schreibwerkstätten, Schreibkursen und Erzählspaziergängen kommt, klick gern auf Termine.

person writing on brown wooden table near white ceramic mug

Was willst du wirklich schreiben?

Schreibst du, um dich selbst und dein Leben zu verstehen? Möchtest du Menschen berühren mit deinen Texten? Geht es dir darum, literarische Formen zu verstehen und zu meistern? Willst du mit deinen Texten eine bestimmte Botschaft in die Welt bringen?

Jede und jeden von kann etwas anderes zum Schreiben bringen. Unsere Motivation kann sich im Laufe der Jahre ändern und sich auch unterschiedlich zeigen, wenn du an mehreren Schreibprojekten dran bist. Gibt es immer einmal wieder Phasen, in denen du an deiner Schreibmotivation oder an deinen Stoffen zweifelst? Dann tut es gut, darauf zurückzukommen, was dich wirklich zieht. Zum Beispiel mit dem:

Schreib-Impuls: deine “Schreib-Schätze“

  1. Denk an einen Schreibschatz: ein Schreibprojekt, eine Phase oder ein Moment, wo du dich mit deinem Schreiben und/oder dem Geschriebenen besonders gut gefühlt hast. Das kann einige Monate oder etliche Jahre oder Jahrzehnte her sein. Wichtig: Es ging dir gut damit und es hat dich bestätigt hat in deiner Schreibmotivation.
  2. Schreibe in einem Free Writing 10-15 Minuten (oder in einem Zeitrahmen deiner Wahl) über diese Erfahrung. Wähle dabei die Gegenwartsform: Woran schreibst du? Wann und wo und vielleicht auch mit wem schreibst du? Was ist das Besondere an dieser Schreib-Erfahrung? Was macht dich dabei froh?
  3. Lies dir durch, was du geschrieben hast und lass dir Zeit für das, was dir wieder eingefallen, durch den Kopf gegangen und aufs Papier geflossen ist. Was kann es dir darüber verraten, was dir beim Schreiben wichtig ist und wie du heute ans Schreiben herangehen kannst?
  4. Wenn du magst, kannst du deine Gedanken jetzt auch noch zusammenfassen, z.B. indem du mit einer dieser Formeln beginnst: „Ich schreibe, weil …“ oder „Ich schreibe, um …“. Dabei können auch jeweils mehrere Sätze zu deiner Schreibmotivation entstehen.  

Ich selbst schreibe, um mit meinen Geschichten Menschen zu berühren. Und deshalb war es auch gut für mich, ein Schreibprojekt zu wählen, in dem ich ganz mit dem Herzen dabei war.

Möchtest du noch mehr darüber herausfinden, was dich beim Schreiben zieht? Über neue Wege die Freude an einem Schreibprojekt wiedergewinnen, an dem du schon länger dran bist? In deiner Stoffschatztruhe stöbern und weitere Methoden kennenlernen, um deine Schätze zu „bergen“ und vielleicht auch wieder aufleben zu lassen? Dann schau dir den Online-Workshop „Was willst du wirklich schreiben? Deine Stoffschatztruhe“ am 18./19. November an.

Im Workshop nutzen wir inspirierende und aktivierende Methoden aus dem kreativen Schreiben und dem Selbstcoaching. Im Austausch erfährst du, was andere in ihrem Schreiben motiviert. Und für dich entdeckst du, wie du dich von deinen Schätzen auf deinem persönlichen Schreibweg begleiten lassen kannst.

Kennst du es, beim Schreiben manchmal ganz schön lange auf den Bildschirm zu starren und zu hoffen, dass von dort eine neue Idee kommt?

Und wenn du dann doch aufstehst, um eine Runde um den Block zu drehen, kommen die Ideen erstaunlich schnell?

Wir bleiben oft zu lange sitzen. Deshalb in diesem Newsletter: Wissenschaftliche Studien dazu, dass Bewegung uns kreativ werden lässt. Ein Tipp, wie du mit Creative Walking noch mehr herausholen kannst für dein Schreiben. Und ein Schreibkurs, bei dem es ums Rausgehen und Schreiben „unter goldenen Bäumen“ geht.

Du möchtest gleich schauen, was dich nach dem Sommer alles an Schreibwerkstätten, Schreibkurse und Erzählveranstaltungen erwartet? Dann klick gern auf Termine.

Ich wünsche dir eine gute Zeit beim Lesen und Rausgehen und viele Ideen.

Sigrid

Bewegungsforschung

Eine Studie der Uni Stanford von 2014 hat gezeigt, dass die Bewegung selbst uns schon „beflügeln“ kann – im Vergleich zum Sitzenbleiben: Die kreative Leistung einer Person stieg im Durchschnitt um 60 Prozent, wenn sie lief – im Vergleich zum Sitzen. Und das klappte sogar, wenn die Person drinnen blieb.

Um die Art der Bewegung ging es in einer Studie der Uni Würzburg von 2022. Das Ergebnis: Um kreativ zu werden, brauchen wir vor allem freie und selbstbestimmte Bewegungen. Langes Starren auf kleine Bildschirme zwingt uns in bestimmte Bewegungsmuster. Da tut es der Kreativität gut, „auszubrechen“ – selbst wenn es nur mit kleinen freien Bewegungen ist.

Manchmal bin ich Stunden gegangen und habe Geschichten erfunden,
während ich dabei die Umwelt in mich aufnahm.” Virginia Woolf

Me thinks that the moment my legs begin to move,
my thoughts begin to flow.” Henry Thoreau

Kreativ-Impuls: der „Unterwegs-Auftrag“

Einfach losgehen, eine Runde drehen und auf neue Ideen kommen. So einfach kann es funktionieren. Noch wirksamer kann es allerdings sein, mit konkreten Fragen loszugehen. Also:

  1. Schreib deinen „Unterwegs-Auftrag“ als Frage auf. Zum Beispiel: Worum soll es im nächsten Blogbeitrag gehen? Oder: Was wäre der beste Schluss-Satz für meine Geschichte?
  2. Wenn dir die Frage noch nicht klar ist, schreib 5 Minuten im Free Writing dazu und formuliere die Frage anschließend – bevor du losgehst.
  3. Wenn dir auf deiner Draußen-Runde Ideen kommen, kannst du sie zwischendurch notieren. Oder du schreibst anschließend in einem weiteren Free Writing kurz dazu, was dir jetzt zu deiner Frage durch den Kopf geht – an Ideen oder Lösungsansätzen.

Unter goldenen Bäumen – 4-wöchiger Online-Schreibkurs im Herbst

Ein Online-Schreibkurs, bei dem du zum Schreiben rausgehst? Genau! Der Schreibkurs Nature Writing verbindet beides: Deine Rausgeh- und Schreib-Exkursionen kannst du bei dir in der Umgebung so planen, wie es für dich am besten passt. Und bei den Online-Treffen im Kurs kommt die Gruppe zum Austausch und für weitere Schreibimpulse zusammen. Kursstart ist am 5. Oktober, weitere Infos und anmelden unter: Schreibkurs-im-Herbst

Hallo Schreibfreudige,

schneller, höher, weiter – damit setzen wir uns manchmal auch bei unserem Schreiben unter Druck.

Wie wäre es da mal mit einer Gegen-Bewegung? Und die heißt: Langsam schreiben. Den Schreibprozess an sich genießen. Sich Zeit nehmen, etwas wachsen zu lassen. Auf das hören und schauen und dem nachspüren, was zwischen den Zeilen entstehen mag.

Am intensivsten lässt sich das Slow Writing beim Schreiben mit der Hand erfahren. Weil Buchstaben, Wörter und Sätze dann Bogen für Bogen und Linie für Linie aufs Papier fließen. Weil wir sehen und spüren können, wie die Zeichen und die Gedanken sich langsam und stetig verbinden.  

3 Anregungen, um das Schreiben selbst zu genießen:  

1. Im Schreiben schwelgen

Das ist das Besondere am Slow Writing: Es nimmt sich Zeit für jedes Zeichen.

Und das geht auch beim Tagebuchschreiben oder den Morgenseiten: Lass nicht nur die Wörter fließen, sondern achte auf jeden Buchstaben, jeden Bogen, jede Linie. Vielleicht möchte etwas größer, kleiner, länger, runder werden als sonst – gib ihm diesen Raum.

Ich selbst schreibe übrigens ab und zu auch wieder in einer meiner ganz frühen Kinderhandschriften. Was mich dabei verblüfft hat: Es sieht dann nicht nur anders aus, was ich schreibe, sondern mir kommen auch andere Gedanken und Erinnerungen in den Sinn.

Außerdem schreibe ich in meinen Morgenseiten inzwischen nur noch in jeder zweiten Zeile, um mir mehr Raum zu lassen. Auch das ist eine Erfahrung aus meinem Slow Writing.

2. Wachsen lassen

Wort folgt auf Wort und Gedanke auf Gedanken. Beim Slow Writing lässt sich zuschauen, wie die Gedanken aufs Papier kommen.

Ein Schreib-Impuls, der aus meiner Sicht da besonders gut passt: Immer wieder mit denselben Anfangsworten zu beginnen und zu schauen, wie daraus immer wieder Neues entsteht. Zum Beispiel mit „An diesem Morgen …“ oder „Ich erinnere mich an …“ oder einem Satzanfang ganz deiner Wahl.

Langsam und stetig entsteht dann eine kürzere oder längere Liste mit Sätzen rund um Ihren Satzanfang. Und wer weiß – vielleicht inspiriert dich einer oder mehrere davon auch dazu, weiter zu schreiben.

3. Abschreiben? Gern!

Nicht so gut angesehen in der Schule – das „Abschreiben“? Als Kulturtechnik ist es herausragend. Denn abschreiben heißt mehr als hinterher die Kopie eines Textes zu haben. Während des Hinschauens, Lesens und Schreibens können wir das, was wir abschreiben, verstehen und verinnerlichen – und dadurch auch zu neuen Gedanken und Ideen kommen.

Beim langsamen Abschreiben gilt das noch einmal besonders. Der Impuls dazu: Nimm dir zum Beispiel ein Lieblingsgedicht zur Hand. Lass dir beim Abschreiben Zeit, bei einzelnen Wörtern oder auch Buchstaben zu verweilen. Vielleicht gestaltest du deinen Text auch. Und nimmt dir hinterher noch einen Augenblick, um hinein zu spüren, was der Text oder das Abschreiben in dir ausgelöst hat.

Slow Writing braucht ein wenig Ruhe – und einen (Zeit-)Raum, den wir uns dafür nehmen. Gib dir selbst die Erlaubnis zur Muße. Du darfst dir deine Zeit zum Schreiben nehmen, du darfst es genießen und du darfst schreiben, wie und worüber du willst. Gleichzeitig bringt das langsame und genießende Schreiben auch zur Ruhe und kann eine wunderbare Möglichkeit sein, uns im Alltag zu entschleunigen. Vielleicht ist ja im Sommer dafür eine gute Zeit für dich?

Viel Freude beim Genuss-Schreiben wünscht dir

Sigrid

Liebe Sprachfreudige,

Flötentöne, Bärenkälte, Überschwünge – magst du Umlautwörter auch so gern? Den Sprachlust-Newsletter widme ich diesmal diesen besondere Wortschönheiten.

Müssen wir uns denn Sorgen machen? Verschwinden die Äs, Ös und Üs? Offizielle Daten habe ich dazu nicht gefunden. Trotzdem greife ich ihre Klangschönheit einfach auf, um sie mehr in die Nutzung zu bringen.

Umlaute klingen heller – das mag einer der Gründe sein, warum sie gefallen. Und es ist auch ihr Hintergrund: Wo früher einmal in einem Wort zum Beispiel ein A und ein I vorkamen, war es von der Mundbewegung her ganz schön aufwändig, so schnell von einem Vokal zum anderen zu kommen. Die Lösung: das Ä. Denn das lag auf dem Weg zwischen A und I.

Kreatives Schreiben hilft! Zwei Schreib-Impulse zum „Retten“ der Umlaute:

1. Lieblingsworte mit ä, ö und ü

Der erste Schritt heißt: Einfach mal den Blick weiten für besondere Umlautwörter. Schau dich um auf Plakaten, in der Zeitung, auf (Straßen-)Schildern. Und sammele! Vielleicht wird eines der Worte ja dein Wort des Tages. Meins ist heute: „Frühblüher“. Und dann verwendest du dein Umlautwort – im Gespräch, der nächsten E-Mail oder einem Haiku des Tages. Hauptsache, das schöne Wort kommt noch mehr in die Welt.

2. Klangfarbengedichte

Bei diesem Schreibimpuls sammelst du auch – mit einem anderen Verfahren. Das ABC-Darium kennst du vielleicht schon: Alle Buchstaben von A bis Z untereinander auf ein Papier schreiben und dann Worte mit diesen Anfangsbuchstaben bilden.

Diesmal ist es besonders: Du notierst Wörter von A bis Z, in denen mindestens ein Ä, Ö oder Ü vorkommt (und anders als sonst enthält die Liste auch die drei Umlaute als Anfangsbuchstaben). Ich habe drei getrennte Listen angelegt, weil das den Wortsammlungen für mich noch einen besonderen Klang gibt. Zum Beispiel, wenn dort nur Wörter mit Ö stehen – von Amöbe über Knödel, Öl und tröten bis Zölibat.

Such dir fünf Lieblingswörter aus und lasse daraus einen klangvollen 5-Zeiler entstehen. Mit einem Wort in der ersten Zeile fängt es an, dann kommt – vorn, hinten oder zwischendrin – immer ein weiteres Wort dazu. Die letzte Zeile umfasst 5 Wörter.

Ein Beispiel: „Tüten//Tüten beflügeln//Glühende Tüten beflügeln//Glühende Tüten beflügeln üben//Wütende glühende Tüten beflügeln üben“.

In Berlin/Brandenburg wird es gerade wieder wärmer, da kommen bald schon die ersten Frühlingsgefühle auf. Komm gut – und vielleicht auch närrisch – weiter durch den Februar und auf bald,

herzliche Grüße

Sigrid

Hallo Schreibfreundinnen und Schreibfreunde,

wer gärtnert, kennt das: Mit dem Stöbern in Gartenkatalogen können Pläne und Vorfreude aufs nächste Jahr reifen.

Schreiben lässt sich in jeder Jahreszeit. Und doch kann auch für uns Schreibende der Winter eine Art kreativer Traumzeit sein für unsere Vorhaben im nächsten Jahr. Dafür habe ich in diesem Newsletter einige Impulse zusammengestellt.

2023 Schreibauszeit, Schreibkurse, Schreibbücher

  1. Schreibzeit für dich

    AUS für den Alltag und EIN fürs Schreiben. Schreib-Retreat – schon das Wort klingt für mich wie ein Versprechen. Sich ein paar Tage zum Schreiben zurückziehen, vielleicht mit anderen zusammen, die auch schreiben. Ein neuer schöner Ort für so etwas ist übrigens die Elstermühle Plessa im Elbe-Elster-Land (südlich von Berlin), in der die Schriftstellerin Ingrid Kaech im Herbst ein Refugium eröffnet hat. Hier lässt es sich mit und ohne Kurse schreiben: https://elstermuehle-plessa.de/das-schriftstellerhaus-in-der-elstermuehle
  1. Sich weiterentwickeln in Schreibkursen

    Ein neues literarisches Genre kennenlernen, das Handwerkszeug erweitern, Feedback zu den eigenen Texten bekommen – da lässt sich im Winter gut stöbern, was 2023 alles an Kursen und Werkstätten geplant ist. Eine der Seiten, auf die ich gern mal schaue, ist die der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel:  www.bundesakademie.de
  1. Schreibbücher

    Sich Inspirationen zum Schreiben holen, das geht auch in Schreibratgebern. Wenn es dir wie mir geht, hast du davon schon einige. Doch auch in dem, was schon im Regal steht, lässt sich Neues finden. Denn oft haben wir noch gar nicht alles umgesetzt oder sind in unserem Schreiben inzwischen an einem Punkt, wo ein Tipp oder eine Methode wieder etwas anderes bewirken kann.

    Ein Schreibbuch, das gerade erschienen ist und auf das ich in diesem Winter schon neugierig bin, ist „Wohlschreiben. 52 Impulse für ein Leben, das sich echt anfühlt“ von Birgit Schreiber.

Ich wünsche dir eine gute Winterzeit.

Herzliche Grüße

Sigrid

Liebe Schreibfreudige,

mein Buch kommt heraus. Das freut mich sehr. Im Oktober erscheint „Der Engel ist weg. Kleine Weihnachtswunder“ – kurze Geschichten mit leisem Humor von kleinen und großen Wundern, die in der Advents- und Weihnachtszeit geschehen können.

Als vor über 10 Jahren die ersten Geschichten dazu entstanden und ich sie bei Lesungen in Cafés vorstellte, hatte ich das Genre Kürzestgeschichten (oder „Flash Fiction“) noch gar nicht auf dem Schirm. Insofern waren sie für mich einfach: Kurzgeschichten.

Im angloamerikanischen Raum ist Flash Fiction schon bekannter. Und so habe ich das Genre auch kennengelernt und dabei festgestellt, dass fast alle meiner Geschichten Kürzestgeschichten sind – weil sie knapp unter 1000 Wörtern liegen.

Wie lang oder kurz eine Geschichte ist, bringt auch Unterschiede in Sprache, Figuren, Dialog und Aufbau mit sich. Ganz besonders gilt das natürlich beim Vergleich von kürzesten Kürzestgeschichten (mit wenigen Zeilen) und „langen“ Kurzgeschichten (bis zu 20 Seiten). Deshalb geht es in diesem Newsletter um einige ihrer Aspekte: 

Kurz- oder Kürzestgeschichten – was liegt dir mehr beim Schreiben?

  1. Kürzt du gern? Oder möchtest du es können?

    Die einen sind eine Zeile bis ca. 4 Seiten kurz, die anderen zählen ca. 4 bis 20 Seiten. Das ist eine (grobe) Definition dazu, was Kürzest- und Kurzgeschichten im Umfang unterscheidet.

    Aber nicht immer (oder sogar eher selten) sind Kürzestgeschichten von Anfang an so kurz.  Wer Kürzestgeschichten schreibt, wird Meister darin, etwas doch nicht oder nur in Andeutungen zu erzählen. Wort für Wort darauf zu schauen, was die Geschichte wirklich braucht, heißt auch dort zu straffen, wo wir sonst in Worten schwelgen würden.

    Und auch Kurzgeschichten gewinnen natürlich durchs Drüberschauen: Welche Sätze oder Wörter können doch noch raus? Nur dass das bei ihnen nicht ganz so viel zu sein braucht.
  2. Wie nah möchtest du deinen Figuren sein?

    Namen haben sie alle, die Figuren in meinen Dezembergeschichten. In ihren Eigenschaften allerdings bleiben sie angedeutet. Sie stehen für das, was ich mit den Geschichten erzählen will, aber zum Beispiel ihr Äußeres kommt nur vor, wenn es für die Handlung wichtig ist.

    In Kurzgeschichten ist das anders. Dort lernst du deine Figuren näher kennen. Auch wenn du nicht alles davon erzählst, ist es wichtig, dass du weißt, wie sie aussehen, was sie besonders macht, was sie mögen und sich wünschen.
  1. Wie viel Wendung soll es sein?

    Als Königin der Kurzgeschichte gilt die kanadische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Alice Munro. In ihren Geschichten lässt sie uns ganz plötzlich in das Leben ihrer Figuren einsteigen. Und schnell glauben wir zu wissen, worauf es hinausläuft. Und dann kommt es doch wieder anders – und das mehrfach. Oft erzählt sie ganze Familiengeschichten an, aber nur genau so viel davon, wie wir brauchen, um genau diese eine Geschichte zu verstehen.

    So viel Platz hat die Kürzestgeschichte nicht. Bei den ganz kurzen von ihnen geht es so wie bei dieser Geschichte von Peter Handke: „Vor dem Fotoautomaten auf ein Foto warten; dann käme ein Foto mit einem anderen Gesicht heraus – so finge eine Geschichte an.“ Kürzestgeschichten erzählen ihre Wendungen weniger in Buchstaben, sondern in dem, was sie im Kopf der Lesenden auslösen.

Kürzeste oder kurze Geschichten – vielleicht magst du dich auch gar nicht entscheiden und dein Herz schlägt für beides, für ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Möchtest du noch mehr erfahren und ausprobieren? Im Herbst/Winter gibt es wieder Online-Schreibkurse dazu. Am 1. November startet der 6-wöchige Schreibkurs „Flash Fiction – Kürzestgeschichten“ und am 10. Januar 2023 der 8-wöchige Schreibkurs „Kurzgeschichten schreiben“. Beide Kurse bauen auf eine Kombination von Schreibimpulsen, Beispieltexten, Austausch und Rückmeldung zu deinen Texten. Ich freue mich, wenn du dazu kommst.

Einen goldenen (Schreib-)Herbst für dich, herzliche Grüße

Sigrid

Hallo in die Schreibrunde,

wie geht es dir, wenn du dir Zeit fürs Schreiben genommen hast? Zwei Stunden, eine halbe Stunde oder auch „nur“ 10 Minuten. Wenn du eine Idee notiert hast, eine Szene entworfen, ein Gedicht geschrieben, eine Geschichte weiterentwickelt hast.

Ich vermute mal, es geht dir gut damit. Denn kreativ zu sein, kann glücklich machen.

Aber dann gibt es auch die vielen anderen Aufgaben und vielleicht auch den eigenen inneren Kritiker und wir schreiben nicht so oft, wie wir das eigentlich möchten.

Wie lässt es sich im oft sehr fordernden Alltag öfter ins Schreiben kommen? Diese Frage bewegt viele von denen, die diesen Newsletter lesen. Deshalb werde ich in den nächsten Ausgaben immer einmal wieder darauf eingehen. Diesmal zum Aspekt:

Schreiben ist mehr als Schreiben …

Das klingt etwas mysteriös? Kann sein. Was ich damit meine: Einerseits ist es gut, ins Schreiben kommen und nicht nur darüber nachzudenken.

Andererseits schreiben wir nicht nur, wenn wir tatsächlich Worte zu unseren Geschichten aufschreiben. Kreativ zu sein, finden in vielen Formen statt. Stoffe entwickeln sich auch, wenn wir uns nach Inspirationen umsehen, recherchieren, mit anderen über den Schaffensprozess sprechen.

Und es kann auch sein, dass wir über dieses (Noch-nicht-)Schreiben ins eigentliche Schreiben hineinkommen.

Deshalb mein Tipp:

Liste einmal die Situationen oder Momente auf, die dich in letzter Zeit zu neuen Ideen oder zur Beschäftigung mit deinen Stoffen gebracht haben. War es ein bestimmter Ort, die Begegnung mit bestimmten Menschen, ein Ritual, eine festgelegte Kreativzeit? War es ein Film, ein Buch, ein Bild? War es ein bestimmter Weg oder die Entdeckung von etwas Neuem, eine Erinnerung oder etwas, das du erzählt bekommen hast?

Wenn du deine Liste erstellt hast, schaue diese noch einmal in Ruhe durch: Welche dieser „Kreativ-Wege“ kannst du noch mehr in deinem Alltag integrieren?

Ein Kreativ-Impuls für mich selbst war in letzter Zeit übrigens – mal wieder – ein Buch. Der großartige Mythenroman „Circe“ von Madeline Miller hat mich auf die Idee zu einem neuen Stoff gebracht. Und ich bin sehr glücklich damit.

Ich wünsche dir eine gute Sommerzeit mit deinen Ideen und dem Schreiben und dem, was dich glücklich macht.

Herzliche Grüße

Sigrid

Liebe Sprachlustige,

kennst du mich (oder meinen Newsletter) schon länger? Dann weißt du, dass ich eine Brückenbauerin bin. Ich bringe gern unterschiedliche Bereiche zusammen, erforsche Gemeinsamkeiten und Unterschiede und überlege, was sich aus einer Kombination „herausholen“ lässt.

Da ich mich gerade viel mit dem mündlichen Erzählen beschäftige, habe ich auch hier eine Quelle der Inspiration fürs Schreiben gefunden. Und daraus teile ich in diesem Newsletter ein paar Schätze.

Bitte abschauen! Was das Schreiben vom mündlichen Erzählen „lernen“ kann: 

  1. Der erste Satz

    Es war einmal oder es war kein Mal …“, „In einer Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat …“ Mit solchen Formeln öffnen uns Erzählerinnen und Erzähler die Türen in andere Welten. Und: Über den ersten (Halb-)Satz ihres Erzählens brauchen sie sich keinen Kopf zu machen.

    Hinter solch einem Einstieg steckt etwas, das auch Schreibende nutzen können. Denn über einen „fertigen“ halben oder ganzen Satz lässt es sich auch ins Schreiben leichter hineinkommen. Das muss keine Märchenformel sein. Dein erster Satz kann zum Beispiel aus einer anderen Geschichte stammen. Halte deshalb immer mal wieder nach Sätzen Ausschau, die du als Einstieg interessant findest, und lege eine Sammlung davon an.

    Das Besondere am Schreiben (im Unterschied zum mündlichen Erzählen): Den „Fertig-Satz“  kannst du hinterher auch wieder herausnehmen – für den Fall, dass deine Geschichte ihn gar nicht braucht. Dann war er einfach nur ein Helfer, um ins Schreiben zu kommen.
  2. Schwelgen!

    Er ritt. Und ritt. Und ritt.“ Siehst du den Reiter und das Pferd und den weiten Weg vor dir? Siehst du die Erzählerin, wie sie die Sätze in den Raum wirft und die Wiederholungen auskostet? Kein Wort ist zu viel, obwohl es doch drei Mal (fast) dasselbe ist.

    Das mündliche Erzählen möchte uns zum Schwelgen ermutigen, zum Betonen. Beim Schreiben dagegen achten wir oft schon beim ersten Entwurf darauf, dass sich da bloß nichts wiederholt oder ein Wort zu viel ist. Auch hier gilt: Du kannst nachher immer noch prüfen, ob du alles brauchst. Aber zumindest für den ersten Entwurf eines Textes lohnt es, auch mal dicker aufzutragen und die Sprache laufen zu lassen. Abhobeln lässt sich immer noch.
  1. Wie klingt es? 

    Da saß sie nun allein.“ Oder so: „Da saß sie nun, ganz allein.“ Vom Klang, vom Rhythmus her mag ich die zweite Variante lieber.

    Sätze können klingen. Und das mündliche Erzählen zeigt uns das besonders.

    Hole den Klang auch in dein Schreiben. Sprich deine Sätze in verschiedene Varianten oder lass sie in deinem inneren Ohr klingen. Auch hier hat das Schreiben seine Qualitäten: Du kannst einen Satz in vielen Versionen drehen, wenden und anhören, bevor du dich entscheidest, welche die beste für deine Geschichte ist. Dabei lässt sich unter anderem erfahren, wie wichtig Satzzeichen (auch das Komma!) für den Rhythmus unserer Texte sind.

Inspiriert? Und ist dir beim Lesen vielleicht aufgegangen, dass du noch nie groß darüber nachgedacht hast, wie du eigentlich mündlich erzählst? Es lohnt sich!

Ich wünsche dir eine gute Zeit bei dem, was dir wichtig ist.

Herzliche Grüße von Sigrid

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