Sigrid Varduhn
Autorin | Schreibcoach | Erzählerin

Liebe Schreibfreudige,

das kennen viele Schreibende: Wenn wir unseren Text jemand anderem zum Lesen geben, fallen dem- oder derjenigen genau die Punkte auf, an denen wir selbst auch schon ein bisschen unsicher waren. Nur, dass wir an dieser Stelle allein nicht weitergekommen sind.

Dieser produktive „fremde Blick“ lässt sich auch direkt in uns aktivieren – wenn wir die unterschiedlichen Arbeitsweisen des Kreativen und des Kritikers nutzen.

So funktioniert die Zwei-Stift-Methode:     

1. Der Kreative am Start

In der ersten Phase geht’s um den Entwurf. Also einfach losschreiben. Der Kritiker macht Pause, weil er sonst viel zu schnell mit Wertungen bei der Hand wäre. Wenn manches noch nicht völlig klar ist oder es Lücken gibt – akzeptieren und weiterschreiben.  

2. Der kritische Blick

In dieser Phase schaust du deinen Text so durch, wie du es auch mit einem fremden Text machen würdest: Was passt noch nicht? Wo ist es noch nicht rund? Aber auch: Was gefällt dir schon gut? Trage deine Anmerkungen und Kommentare am Rand ein. Am Computer nutze ich dafür die Kommentarfunktion in der Textverarbeitung. Wenn du schon Ideen hast, wie etwas sich verbessern lässt, notiere sie kurz – aber suche nicht danach. Diese Phase funktioniert nur gut, wenn jetzt der Kreative Pause machen kann und du alles anmerken kannst, was dich stört (ohne zu wissen, ob du es besser hinbekommen wirst).      

3. Und nun wieder der Kreative

Schritt für Schritt nimmt sich der Kreative die Aufgaben des Kritikers vor und bearbeitet sie. So wie du auch die Kommentare von anderen Menschen zu deinem Text bearbeiten würdest.

Dieser Dialog zwischen den beiden "Anteilen" kann auch mehrere Runden dauern, je nachdem, wie wichtig dir der Text ist bzw. wie weit schon dein erster Entwurf war.

Herzliche Grüße

Sigrid

Am 30. September ist wieder Berlin-Marathon. Ich persönlich stromere ja lieber mit meinem Hund durch den Wald. 

Beides ist allerdings fein fürs Schreiben – fürs Abschalten, den Gedanken Freiraum verschaffen, neue Wege und Verbindungen finden, Konzentration aufbauen und sich körperlich stärken. Diese Erfahrung teilen auch viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Eine kleine Auswahl davon fürs Schreiben und Laufen    

1. Den Kopf klären

Virginia Woolf nutzte ihre Spaziergänge durch Sussex – mit Hund! – zum Klären der Gedanken, damit Bilder kommen können. "Manchmal bin ich Stunden gegangen und habe Geschichten erfunden, während ich dabei die Umwelt in mich aufnahm.

2. Je öfter, desto besser

Für Natalie Goldberg ist Schreiben wie Laufen: „Je öfter Sie es tun, um so besser werden Sie. ... Wenn Sie regelmäßig laufen, trainieren Sie Ihren Geist darauf, den inneren Widerstand zu knacken. Sie tun es einfach.“      

3. Schreiben als köperliche Arbeit

Auch der japanische Schriftsteller Haruki Murakami holt sich Inspiration und Durchhaltevermögen aus dem Lauftraining. "Um einen Roman zu schreiben, muss ich viel körperlich Kraft, Zeit und Geschick aufwenden. Für jedes Werk, das ich schreibe, muss ich ein neues tiefes Loch graben. Doch da ich dieses Leben inzwischen viele Jahre führe, bin ich technisch und körperlich sehr gewandt darin geworden, ein Loch in den harten Stein zu graben und Wasseradern zu entdecken."

4. Den Faden laufen lassen

Joyce Carol Oates bearbeitet ihre Texte während des Laufens im Kopf und entwirft neue Szenen. In Ihrem Essay „Beim Laufen und Schreiben“ schwärmt sie: "Laufen! Ich kenne nichts, das den Geist mehr beflügelt" und: "… beim Laufen scheint der Geist den Körper zu durchdringen …

Wie ist es bei dir? Kommen dir beim Joggen oder Spazierengehen auch die besten Ideen oder lassen ganze Geschichten vor dem inneren Auge ablaufen? Brauchst du das Laufen vor dem Schreiben oder ist es eher etwas zum Abschalten und Träumen? Oder kommt das Laufen sogar ein bisschen zu kurz und du würden gerne wieder mehr?

Dann nichts wie los ...

Herzliche Grüße

Sigrid

Was haben die Wörter „Seeanstoß“ und „Posamenten“ gemeinsam? Über beide bin ich mal beim Lesen ge-stolpert und habe nachgeschlagen, was sie bedeuten. Wortschätze zu finden und sie zu erforschen, finde ich ganz wunderbar. Und mit interessanten Wörtern lässt es sich ja auch weiterspielen.

„Eine Viertelstunde kreative Spielzeit täglich“, hat Virginia Woolf empfohlen und meinte damit sowohl das Spiel mit Wortern als auch mit Bildern und Collagen.  
 
Ein paar Anregungen dazu:      

1. Kenn ich nicht – macht doch nix:
Unbekannte Wörter laden zu einer spielerischen Definition ein. Wonach klingt ein „Fidibus“? Und was mag ein „Schmock“ sein? Vielleicht findest du ja viel überzeugendere Erklärungen als die tatsächlichen. Einfach mal losspinnen – und erst hinterher nachschlagen ... Und wenn du beides schon kennst – such dir andere „alte“ Wörter.

2. Das besondere Elfchen:
Vielleicht lädt ein schönes – bekanntes oder unbekanntes – Wort dich ja auch zu einem etwas anderen Elfchen-Gedicht ein. Zum Beispiel in dieser Art:
- Das besondere Wort allein in die erste Zeile
- in die zweite Zeile zwei Wörter (z.B. „Was ist es?“)
- dritte Zeile drei Wörter („Was lässt sich damit anfangen?“)
- vierte Zeile frei weitererzählen in vier Wörtern und
- in die letzte Zeile ein Schluss-Wort als Fazit, Wiederholung oder Ausklang.

3. Den Wortklang nutzen: 
Lass deine Ohren mitschreiben und laden Worte ein, die besonders lautmalerisch sind, z.B. „knuspern“, „Pausback“ oder „Larifari“. Oder schreibe ein kurzes Gedicht nur mit Worten, die mit „S“ anfangen oder als Vokale nur – oder überwiegend – den Buchstaben O enthalten. 

Da kommt auch Quatsch raus? Gut so. Schließlich ist Spiel-Stunde.

Übrigens: Auf das Wort „Seeanstoß“ bin ich in einer Anzeige eines Schweizer Hotels gestoßen und es bezeichnet tatsächlich einfach die Lage am See. Das „Posamentengeschäft“ lud mich in Irina Liebermanns „Berliner Miethaus“ – dem Portrait eines Hauses und seiner Bewohner im Prenzlauer Berg im Jahr 1980 - zum Forschen ein. Ich lernte, dass es in einem Posamentengeschäft zum Beispiel Borten, Bänder und Knöpfe gibt.

Dir eine gute Zeit mit Wort- und anderen Schätzen,
herzliche Grüße

Sigrid

Schon länger wünsche ich mir, mal an einem Schreib-Workshop mit Natalie Goldberg – der Autorin von „Schreiben in Cafés“ und „Raum zum Schreiben“ – teilzunehmen. Bisher hat es noch nicht geklappt, aber in der ZEIT vom 21. Juni 2012 war ein Artikel über einen „Writer´s Retreat“ bei ihr in Taos, New Mexiko.

Wer sich im Sommer schreibend zurückziehen oder Schreibwerkstätten besuchen will, hat gerade im englischsprachigen Raum viele Möglichkeiten. Aber auch hierzulande wächst das Angebot: Zum ersten Mal gibt’s z.B. in diesem Jahr z.B. Sommerkurse an der Universität der Künste in Berlin, unter anderem in „Storytelling“ und „Dramatic writing“.


Drei Tipps für "Kreatives Schreiben im Sommer" (er lässt sich noch mehr genießen):

1. Schreib-Ausflüge
Ergänze dein Ausflugsgepäck einfach um Stift und Notizblock und gönn dir z.B. auf einer Schiffstour, bei der Pause auf dem Kunstwanderweg oder nach einer Schlossbesichtigung 10 Minuten Schreibzeit, in der du deine Eindrücke Revue passieren lässt.

Das kann ein Zwiegespräch mit einer Statue im Schlosspark sein, eine Postkarte an einen lieben Menschen oder vielleicht wird es ja auch eine SMS-Geschichte.

2. Sommer-Szenen
Sommer heißt auch, es sind mehr Leute als sonst auf den Straßen, in den Cafés, einfach draußen. Da lassen sich viele Dialoge mitbekommen und vielleicht für kleine Geschichten nutzen. In einer Online-Werkstatt habe ich gerade die Methode Webcam kennengelernt. Einfach 3-5 Minuten eine Szene beschreiben, die du beobachtest. Nimm dabei nur das auf, was tatsächlich auch eine Webcam aufnehmen würde, also nur, was sich direkt beobachten lässt.

3. Sommer-Erinnerungen
Ist der Sommer die schönste Jahreszeit? Auf jeden Fall ist er besonders einprägsam. Sommerferien in der Kindheit, Reisen, Ausflüge, lange Abende, Feiern mit Freunden. Lass dich von deinen Erinnerungen inspirieren zu ... Gedichten, Geschichten, vielleicht auch einer Liedzeile. Und selbst wenn du nicht dazu schreibst, Sommerkopfkino hilft auch, wenn es mal regnen sollte ...

Mach was was aus deinem Sommer,
herzliche Grüße

Sigrid

Wer ein Buch oder auch einfach einen längeren Text schreibt, braucht oft einen langen Atem. Sowohl bei der Ideenfindung als auch beim Gliedern und Strukturieren können Verfahren wie Mind-Mapping – also Denklandkarten – oder Clustering – also Ideen-Netze – weiterhelfen. 

Beiden Methoden gemeinsam: Es sind assoziative, nicht lineare visualisierende Verfahren, bei denen du von einem Stichwort in der Mitte eines Blattes oder Bildschirms ausgehend Stichworte drum herum abbildest.

Ein paar Vorschläge für den Einsatz:

1. Überblick und Sammlung – die Denklandkarte  
Eine Mind-Map bietet sich z.B. an, wenn du dir zu einem Thema ein Bild davon machen willst, was du schon alles weißt und welche Zusammenhänge es gibt.

Schreibe das  Thema – die Überschrift – ins Zentrum deines Blattes. Mit den Gedanken, die dir dazu einfallen, beschriftest du die „Zweige“ und „Äste“, die von dem Kernbegriff abgehen.

Nachdem die Ideen abgebildet sind, kannst du sie farblich markieren, ihnen eine bestimmte Reihenfolge zuweisen oder sie über Querverbindungen miteinander verknüpfen.


2. Auswerten und Lernen – für Bücher und Fachartikel
Mind-Mapping eignet sich auch gut zum Gliedern von bestehendem Material, z.B. wenn du aus einem Fachbuch das für Sie Wichtige herausziehen willst. Die Überschriften aus dem Inhaltsverzeichnis bilden dann die Äste der Denklandkarte, auf den Zweigen notierst du das, was für dich in dem jeweiligen Kapitel wichtig ist. Den Begriff Mind-Map geprägt hat Tony Buzan. Mehr Informationen dazu findest du unter anderem in „Das Mind-Map-Buch – die beste Methode zur Steigerung Ihres geistigen Potenzials".

3. Ideen finden – Clustering
Du willst etwas Neues entwickeln, die Ideen sprudeln lassen? Dann bietet sich Clustering an. Schreibe in die Mitte eines Blattes ein Kernwort, um das es gehen soll und umkreise es. Die Wörter, die dir dazu einfallen, schreibst du um das Kernwort herum, umkreist es ebenfalls und verbindest es mit dem Kernwort. Auch von den neuen Worten ausgehend lässt du dich zu weiteren neuen Worten inspirieren. So entstehen Ideen-Ketten und -Netze.

4. Kreative Spannung erzeugen – das Doppel-Cluster
Spannung entsteht in einer Geschichte oder einem anderen Text oft durch Gegensätze und Widersprüche. Ideen dafür lassen sich mit dem „Doppelcluster“ entwickeln. Dabei schreibst du zwei Zentralworte in die Mitte Ihres Papiers, z.B. „kalt / Glut“ oder „eilig / langsam“, umkreist sie beide zusammen und bildest zu beiden Worten Assoziationen.

„Impuls und Gegenimpuls“ nennt Gabriele L. Rico die Arbeit mit dem Doppelcluster. Mehr zum Hintergrund von Clustering und den Einsatzmöglichkeiten lässt sich in ihrem Buch „Garantiert schreiben lernen“ nachlesen.

Herzliche Grüße

Sigrid

„Schreib beim Waschen, schreib beim Kochen // Ich muss fühlen, dass ich bin // Manchmal bleibt von sieben Wochen // Ein Gramm Poesiegewinn.“ – so Eva Strittmatter in ihrem Gedicht "Gramm".

Am 21. März ist Tag der Poesie – von der Unesco ins Leben gerufen, um die Bedeutung der Poesie, der Dichterinnen und Dichtern für unsere Welt hervorzuheben. Poesie kann ein Gedicht sein und auch die besondere Sprache in einer Erzählung oder ein stimmungsvoller Moment. Und Gedichte können Schreibimpuls sein. Vielleicht steht ja der eine oder andere Gedichtband in deinem Regal, den du schon länger nicht mehr in der Hand hattest. Oder es liegt ein anderer auf dem Nachttisch. Dann nichts wie los ...

... 3 Möglichkeiten, mit Gedichten zu arbeiten:

1. Ein Gedicht weiterschreiben   

Nimm dir ein Gedicht, das du schon kennst und magst oder eines, das dich spontan anspricht. Schreib das Gedicht auf oder tippe es ab und schreibe gleich im Anschluss weiter – so lange du magst. Mag sein, dass du dich mehr am Thema orientierst oder an Form und Rhythmus. Diese Methode unterstützt darin, andere Stile auszuprobieren als die schon vertrauten und auch dabei, ins eigene Schreiben hineinzukommen.

2. Deine Wort-Wahl

Lies ein Gedicht deiner Wahl laut, am besten mehrmals, vielleicht läufst du dabei auch ein wenig auf und ab. Wähle fünf Wörter aus dem Gedicht aus, die dich besonders ansprechen. Schreibe mit diesen fünf Wörtern (und so vielen weiteren, wie du möchtest) dein eigenes Gedicht.

3. Von GeDichten zu GeSchichten

Gedichte sind Verdichtungen, Miniaturen. Etwas Größeres ist hier in eine enger gefasste Form gebracht. Wenn ein Gedicht uns anspricht, können wir dieses Kleinod auch wieder in uns wachsen lassen. Wähle ein Gedicht aus, das dich vom Thema her berührt, lies es mehrmals und lass es sich forschend und schreibend zu etwas Größerem entwickeln, vielleicht einer Geschichte oder einem Märchen.

Der März hält übrigens noch ein wichtigen Tag bereit: am 20. März ist Welttag des Erzählens. Die Veranstaltungsseite dazu: www.weltgeschichtentag.de.

Und mein aktueller Buchtipp: „Lyrik nervt“ von Hans Magnus Enzensberger (der Titel ist nicht Programm …).

Herzliche Grüße

Sigrid

Winterzeit ist Spielezeit. Da gibt es die Spiele, die sich einfach mit Papier und Stift spielen lassen, wie Stadt-Land-Fluss (oder auch Film-Buch-Lied). Andere Wortspiele eignen sich auch als Geschenk.

Einige Empfehlungen für Wortspiele:

1. Nobody is perfect.
Eines meiner Lieblingsspiele – es trainiert das Fabuliervermögen. Zu einem in der Runde unbekannten – aber tatsächlich existenten Wort – werden möglichst glaubwürdige Erklärungen erfunden. Punkte bekommt a) wer auf die richtige Lösung tippt (die der Spielleiter aufgeschrieben hat) und b) auf wessen erfundener Lösung andere getippt haben. Lässt sich mit dem Fremdwörterduden spielen oder – mit mehr Varianten – als Gesellschaftsspiel, auch in einer Kompaktversion erhältlich.

2. Scrabble – als Brett oder Kartenspiel
Scrabble habe ich in den letzten Jahren selten gespielt, aber wenn, immer mit viel Vergnügen. Neu für mich ist das Scrabble-Kartenspiel, bei dem jeder eine bestimmte Anzahl von Buchstaben-Karten „auf der Hand hat“. Wenn dann z.B. „Wort mit 4 Buchstaben“ gefordert ist, legt jede/r so schnell wie möglich aus seinen / ihren Buchstaben ein entsprechendes Wort auf den Tisch.

3. Wortissimo
Das Gegenteil von Scrabble – hier geht’s ums Auseinandernehmen von Wörtern. Welche Einzelwörter (ab 3 Buchstaben) stecken z.B. in „Wunderkerzenhersteller“? Das fängt bei „wund“ an und hört bei „erstelle“ noch lange nicht auf. Dabei lerne ich von den Auflösungskarten auch immer wieder für mich neue Wörter, wie z.B. „Steller“ (Position beim Basketball). Wer innerhalb der Sanduhrzeit am meisten Einzelwörter findet, gewinnt.

4. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod – als Brett- oder Kartenspiel
Zu den Büchern der „Vortragsreisenden“ wie Bastian Sick & Co. gibt’s auch Spiele. Bei „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ sind es in Kategorien wie „Wortherkunft“, „Satzbau“ oder „Redewendungen“ z.B. Fragen wie „Wo betont man das Wort ´buchhalterisch´?“ oder „Woher stammt das Wort ´Hurrikan´?“, bei denen sich mit der Wahl für die richtige von drei Antworten Punkte sammeln lassen.  Interessant für mich dabei: 1. Es gibt oft mehrere „Richtig“ und 2. ist der Genitiv nicht immer „richtiger“ als der Dativ. Übrigens: „buchhalterisch“ wird auf der ersten Silbe betont und das Wort Hurrikan stammt aus der Indianersprache Taíno und wanderte über das spanische „huracán“ und das englische „hurricane“ zu uns ein.

Kein Spiel, aber auch ein schönes Geschenk für Wort- und Schreiblustige ist die neue Reihe „Kreatives Schreiben“ aus dem Dudenverlag, herausgegeben von Hanns-Josef Ortheil.

Ob mit oder ohne Wortspiele – ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest, lass es dir gut gehen und komm so wie du es dir wünschst, ins neue Jahr 2012.

Sigrid

Am 1. November startet wieder „a novel in a month“, ein weltweites Projekt zum Schreiben eines Romans in 30 Tagen oder auch: der NaNoWriMo der National Novel Writing Month.

Wer 50.000 Wörter in einem Monat schreiben will, muss täglich ran, daran geht kein Weg vorbei. Für alle, die nicht ganz so viel, aber gern mehr schreiben möchten, ein paar Tipps.

Täglich schreiben – so gelingt´s:

1. Postkartentexte
Schreibe eine kurze Geschichte, einen Eindruck, ein Portrait auf die Rückseite einer Postkarte.  Wer nicht so viele Karten hat, faltet sich einfach ein weißes Blatt oder richtet in der Textverarbeitung einen entsprechenden Seitenrahmen ein. Postkartentexte sind die täglichen Sprints des Schreibers und ermöglichen es, leichter dranzubleiben. In der Literatur werden sie auch Kürzesttexte genannt und finden sich zum Beispiel im Reclam-Büchlein: „Kürzestgeschichten“.

2. Tägliche Impulse
Lass dich zum täglichen Schreiben inspirieren – zum Beispiel von Kalenderblättern zu Geschichten. Bei mir steht dafür der GEO-Tischkalender „In 365 Tagen um die Welt.“

3. Schreibzeit & Schreibraum
Raum und Zeit spielen eine wesentliche Rolle dafür, ob wir unserem Vorsatz zur Regelmäßigkeit treu bleiben. Wann ist deine beste Schreib-Zeit? Wie lässt es sich einrichten, dass du dann auch möglichst oft schreiben kannst ? Wie sieht dein Schreib-Raum aus? Wer sonst auch viel schreibt, für den mag es sinnvoll sein, dem kreativen und literarischen Schreiben einen besonderen Raum zu geben, zum Beispiel mit dem Laptop auf dem Sofa oder an einem besonderen Tisch oder...    

4. Starke Schauplätze
Du erlebst zu wenig "Spannendes", um täglich darüber zu schreiben? Starke Geschichten entstehen über vertraute Orte – das können Geschichten aus dem Call-Center genauso sein wie aus dem Café, in dem du täglich deinen Milchkaffee holst oder der Reihenhaus-Siedlung deiner Kindheit.

5. Träume, Gedichte, Eindrücke
Woran du täglich schreibst, kann ganz unterschiedlich sein. Ob morgens Ihre Träume, Eindrücke von Ihren Mitreisenden auf der täglichen S-Bahn-Fahrt oder ein Abendgedicht als Fazit vom Tag – Hauptsache, du trainierst deine Schreibmuskeln.

„Writing in a month“ gilt mit über 150.000 Teilnehmern als größte „Schreibwerkstatt der Welt“. Wenn du gern auch mit weniger Menschen zusammenschreibst – dafür aber an einem Ort, empfehle ich die nächsten beiden Schreibwerkstätten in Caputh: „Märchen schreiben“ am 20. November und „Schreiben für Weihnachten“ am 3. Dezember.

Herzliche Grüße

Sigrid

Liebe Sprachfreudige,

"zum perfekten Urlaub gehört ein gutes Buch", schrieb die Märkische Allgemeine Zeitung im Juni und bat die Leser in einer Umfrage, ihre Lese-Erfahrungen zu teilen, um darüber – auch online – zu berichten.

Wer schreibt, liest ohnehin und in der Regel viel. Wie das Lesen Ihnen beim Schreiben helfen kann, darum gehts bei den folgenden Tipps. 


Vom Lesen und Schreiben:

1. Weiterlesen – auch wenn´s schwerfällt.
Lesen Sie nicht nur Klassiker, sondern auch zeitgenössische Literatur – das empfiehlt Louise Doughty in „Ein Roman in einem Jahr“. Schließlich schreibst du heute. Und lies nicht nur, was du gern magst (davon natürlich auch viel), sondern auch die Bücher, wo es dir schwer fällt, weiterzulesen – um zu erforschen, woran das liegt und fürs eigene Schreiben zu lernen.

2. Gute Anfänge als Vorbild
Nimm dir ein Vorbild an guten Anfängen (und gut heißt hier erst einmal, das, was dich überzeugt, was dich in einen Text hineinzieht.) Analysiere genau: Wie macht der Autor das? Schreiben dir gute Anfänge auf – in einer Datei, in einem Notizblock. Nutze deine Erkenntnisse für deine eigenen Anfänge.  

3. Die innere Bibliothek
Lesen erweitert unseren Sprachschatz, die Vielfalt der Tonarten, in denen wir uns als Schreibende ausdrücken können. „Die innere Bibliothek“, nennt Ursula Krechel das in „In Zukunft schreiben“. Wähle einen Absatz aus einem Roman oder einer Geschichte eines deiner Lieblingsautoren oder ein Gedicht, lies es dir laut vor (oder tipp es ab) und schreibe in Resonanz darauf einen eigenen Text. 

3. Einfach nur lesen (oder gucken).
Wenn du dich einfach mal nur an der Leselust erfreuen möchtest, ein Tipp von meinem Urlaubs-Stapel: "Das Labyrinth der Wörter". Ein eher burschikoser Franzose entdeckt durch die Bekanntschaft mit einer älteren Dame im Park seine Leidenschaft für die Welt der Bücher. Verfilmt mit Gérard Depardieu (auch als DVD).

Herzliche Grüße

Sigrid

40 Jura-Studenten an der Coventry University in England hatten im letzten Herbst die Wahl, ihre Semesterarbeit als Fallstudie oder als Kurzgeschichte zu schreiben. Die Hälfte von ihnen entschied sich für die Geschichte. Ein Erfolg für kreatives Schreiben: Die Studierenden gaben an, über das Schreiben der Kurzgeschichten ein tieferes Verständnis ihrer Fälle entwickelt, sich intensiver mit den Charakteren und Motiven auseinandergesetzt zu haben als beim Schreiben von Fallstudien.

So lassen sich Themen auch erschreiben:

1. Prozess-Schreiben
Nähere dich deinem Thema über das automatische Schreiben. Lege fest, wie lange du schreiben willst, z.B. 5 oder 10 Minuten und schreiben in dieser Zeit, ohne den Stift zu senken. Wenn dir nichts mehr einfällt, schreibe genau das auf.

Durch den permanenten Schreibfluss werden auch Einfälle und Zusammenhänge abgebildet, die vorher so noch nicht klar waren. Lies dir das Geschriebene durch, markiere das, was besonders wichtig ist und fasse das Markierte als Extrakt zusammen.


2. Sich spiegeln.
Gibt es ein Gedicht, ein Lied oder einen anderen kurzen Text zu deinem Thema? Lies dir den Text vor und schreibe als Antwort darauf etwas Eigenes. In der Form orientierst du dich am Ausgangstext oder wähle deine eigene. Auch in der Auseinandersetzung mit einem fertigen Text lässt sich herausfinden, was uns besonders wichtig ist.

3. Vom Bild zum Text
Wähle ein Bild oder ein Foto aus, das das Thema für dich widergibt oder lege eine Collage an. Schreibe zu dieser Visualisierung. Der Wechsel von einem Medium zum anderen legt neue Ideen und Betrachtungsweisen frei.

4. Die Perspektive wechseln
Wie würde jemand ganz anderes an dieses Thema herangehen? Schreibe eine Geschichte oder einen Brief oder eine Rede aus der Sicht von jemandem, der von diesem Thema noch nie gehört hat oder eine ganz andere Sicht auf die Dinge hat.

Herzliche Grüße

Sigrid

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