Sigrid Varduhn
Autorin | Schreibcoach | Erzählerin

Heute schon genascht, Tee getrunken, gezaubert? Adventskalender gibt es in vielen Varianten. Oder du schreibst dir einen selbst. Zum Schreiben im Advent stelle ich hier drei Impulse vor.

Schreiben im Advent – 3 Mal anders:

1. Adventsgedicht nach Haiku-Art
Wieso immer nur Gedichte lernen, die andere geschrieben haben? Adventsgedichte lassen sich auch selbst schreiben – z.B. in Form von Haikus, den japanischen Kurzgedichten. Eigentlich sind Haikus so gebaut: 1. Zeile: 5 Silben, 2. Zeile: 7 Silben, 3. Zeile: 5 Silben. Bei meinen beiden Impressionen zur Jahreszeit ist es etwas anders geworden:

Sanft beugt
die Tanne ihren Zweig
und schüttelt den Schnee ab.

Mit leisem Klirren

drehen sich die Goldengel

im Kreis. Adventskaffee.

2. Schreiben zu Bräuchen und Traditionen
30.11. Andreastag, 4.12. Barbaratag, 6.12. Nikolaus. Fast kein Tag ohne besondere Tradition. Manches ist eher regional beheimatet und manche Bräuche gibt es vielleicht auch nur in deiner Familie. Dazu lässt sich natürlich auch schreiben. Und du kannst sogar Bräuche neu erfinden und damit in die Welt bringen.

3. Wie das duftet – Worte zu Leckerem finden
Von allerlei Apfeligem bis zur Zimtbäckerei – der Advent und Weihnachten haben jede Menge leckere Traditionen zu bieten, zu denen es sich auch schreiben lässt. Dafür sammelst du im ersten Schritt z.B. mit einem ABC-Darium alles, was dir zu Essen und Trinken in der Adventszeit einfällt: Einfach auf der linken Seite eines Blattes alle Buchstaben von A bis Z untereinander schreiben und dann wird aufgefüllt. Entweder eine Assoziation pro Buchstabe (Q, X und Y sind meistens schwierig) oder so viele du willst.

Wenn deine Liste voll ist, lässt du dich von 5 oder 7 oder auch allen gesammelten Begriffen zum Schreiben inspirieren. Vielleicht entsteht eine Geschichte oder ein Gedicht oder auch einfach ein Rezept zu deinem Lieblingsweihnachtsgericht, das du in den nächsten Adventskalender steckst.

Hab ein schönes und entspanntes Weihnachtsfest und
rutsch gut rein in ein glückliches 2014,
herzliche Grüße

Sigrid

Sigrid

Die Erntezeit kam ... Drei Worte und dir steht ein Bild vor Augen oder vielleicht sogar ein kurzer Film. Allerdings habe das nicht ich gemalt. Ob du ein wogendes Weizenfeld vor dir siehst oder eine Wiese voller Apfelbäume, meinen sparsam gesetzten Rahmen hast du aufgrund deiner Erfahrungen und inneren Bilder gefüllt.

Je nachdem, wie konkret du die Bilder in deinen Texten „malst“, wird sich der Leser mehr deinen Beschreibungen anschließen oder mehr eigene Details hinzufügen.

4 Tipps zum Malen mit Wörtern:

1. Wer sieht was?
Ob du den Herbst aus der Sicht des Erzählers siehst oder mit den Augen einer Figur – die Wirkung ist eine andere. Ein Beispiel aus dem Roman „Die Räuberbraut“ von Margaret Atwood: „Charis sieht den Nebel, als sie aus dem Bett klettert ... Der Nebel steigt von der Erde und den Sträuchern auf und tropft von dem alten Apfelbaum im hinteren Teil des Gartens. ...  Immer noch hängen ein paar bräunliche vom Frost verfärbte Äpfel an den knorrigen Ästen ...

2.
Beschreibung + Handlung

Beschreibungen können mehr als illustrieren oder einen Hintergrund abgeben. Im folgenden Beispiel aus dem Roman „Die Wand“ schildert Marlen Haushofer nicht nur die Sicht ihrer Hauptfigur auf den Herbst. Ein Detail – das Holz - bringt die Handlung voran, weil es eine Bedeutung für den Verlauf der Geschichte hat: „Nach dem großen Unwetter wurde es nicht mehr sehr warm. Die Sonne schien zwar, und mein Holz konnte trocknen, aber die Landschaft nahm plötzlich herbstlichen Charakter an.“        

3. Den Pinsel beim Besonderen ansetzen  
Goldenes Oktoberlicht, raschelndes Laub – das hat der Herbst alles. Noch mehr fällt „dein Herbst“ allerdings auf, wenn du das Besondere malst. Vielleicht ist der Herbst in deiner Geschichte besonders spät dran und die Bäume noch voller grüner Blätter, obwohl schon Erntedank gefeiert wird ...

4. Schreiben für alle Sinne  
Riechen, schmecken, sehen, hören, fühlen – alle 5 Sinne zählen beim Schreiben wie gemalt. Stell dir eine Liste zusammen, was sich am Herbst alles mit den verschiedenen Sinnen wahrnehmen lässt. Aus deiner eigenen Perspektive – oder, wenn du schon an einer Geschichte dran bist – aus der Perspektive einer Figur.    

Herzliche Grüße

Sigrid

Der erste Entwurf steht, aber rund ist der Text noch nicht? Dann heißt es, noch einmal – oder mehrmals – drangehen und schleifen, polieren, verbessern. Geschichte oder Gedicht, Portrait oder Bericht, je nach Textform können diese Überarbeitungsschritte ganz unterschiedlich aussehen.     

3 Werkzeuge, die sehr oft passen:

1. Kürzen, straffen, rausnehmen
Das stand doch schon zwei Absätze davor? Viele Texte gewinnen durch straffen. Mark Twain hat es so formuliert: “Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Worte weglassen." Klingt einfach, oder? Ein guter Test, um herauszuhören, was du nicht brauchst oder wo vielleicht sogar eine gedankliche Lücke gut tut: Lies dir den Text selbst laut vor.

2.
Zeigen statt behaupten

Hier stehen die behauptenden Adjektive auf dem Prüfstand. Ob „zarte Fräuleins“ oder „bezaubernde Einrichtungen“ – dein Text gewinnt dadurch, dass du in Beschreibungen „belegst“, worin sich das „Zarte“ oder das „Bezaubernde“ zeigt.        

3. Spannung aufbauen, Spannung halten  
Entweder deine Leserinnen und Leser sind von deiner Sprache so angetan, dass sie deshalb weiterlesen und / oder weil sie wissen wollen, wie es weitergeht. Ein spannender Text wirft – immer wieder neue - Fragen auf beim Leser, die du Schritt für Schritt beantwortest. Sorge immer wieder für Überraschung in deinen Texten und teste, ob du durch einen anderen Aufbau der Abschnitte vielleicht noch mehr Spannung erzeugen könntest.    

Stil, Ton, Figuren, Schauplätze, Perspektiven, Plot – Texte lassen sich noch in vielen weiteren Punkten verbessern. Findest du das bei fremden Texten auch einfacher? Kaum haben wir den Text von jemand anders vor uns, schon fällt uns etwas auf, was sich verbessern ließe.

Warum das bei unseren eigenen Texten nicht so gut funktioniert? Weil unser "innerer Kreative" diese Punkte dann auch umsetzen müsste. Wie du den scharfen Blick deines inneren Kritikers nutzt, ohne dass dein Kreativer in Stress kommt, kannst du übrigens in der nächsten Schreibwerkstatt am 21. September in Caputh ausprobieren. An literarischen oder Sachtexten – ganz wie du möchtest.

Herzliche Grüße

Sigrid

Liebe Schreibfreudige,

sehr kurzer blauer Faltenrock, weiße Kniestrümpfe und Spangenschuhe, stramm geflochtene Zöpfe hinter den Ohren, der Pony ganz schön kurz und eine große rote Schultüte im Arm – richtig, wir sind in den Siebzigern.

Auf dem Foto von meiner Einschulung sehe ich etwas skeptisch aus (vielleicht hat ja nur die Sonne geblendet). Trotzdem – als ich letztens gedanklich in meiner Biografie gestöbert habe und mir auffiel, dass meine Einschulung vor 40 Jahren war – fand ich: ein Grund zum Feiern.     

3 Schreib-Impulse dazu, sich an die Anfänge im Leben zu erinnern:

1. Der Abend davor ...
Ein neuer Anfang in deinem Leben: eine neue Liebe, ein neuer Ort, ein neuer Beruf. Vielleicht wusstest du "es" am Abend vorher schon, vielleicht auch nicht. Versetze dich in diesen Abend davor hinein und schreib – einen Brief an jemanden, eine E-Mail, einen Tagebucheintrag – über deine Gefühle, deine Stimmung, deine Erlebnisse zu diesem Zeitpunkt.

2.
Auf dich geschaut ...  

Ein anderer Blickwinkel wird es, wenn jemand anderes auf deinen Neuanfang draufschaut. Versetze dich in jemanden hinein, der einen deiner Anfänge miterlebt. Das kann ein Mensch aus deinem Leben sein oder eine fiktive Person. Wie erlebt er oder sie die Situation? Das kann eine Geschichte werden, ein Sachbericht oder auch ein Portrait.               

3. Requisiten gefragt ...
Vielleicht gibt es ja Fotos aus der Zeit eines Neuanfangs – oder andere "Souvenirs". Das können auch ganz „trockene“ Dokumente wie Rentenversicherungsbelege sein. Im Zusammenhang mit einer besonderen Zeit erzählen auch solche Belege Geschichten. Schreib zu den Details, die du auf dem Foto entdeckst oder über andere Fundstücke aus der Zeit eines Anfangs.  

Ein Neuanfang in eigener Sache: Ich bin jetzt auch mit einer Autorenseite auf Facebook vertreten. Dort findest du aktuelle Buchtipps zu Romanen und Fachbüchern, Termine zu Literaturwettbewerben, Lesungen und Schreibwerkstätten und weitere Schreibtipps. Schau mal vorbei, ich freue mich auch dort über deinen Besuch und den Austausch mit anderen Schreib- und Sprachfans.

Die erste Schreibwerkstatt nach den Sommerferien findet übrigens am 21. September 2013 in Caputh statt, Thema: „Der innere Schreibcoach“.

Herzliche Grüße

Sigrid

Welche Figur aus einem der Bücher, die du in letzter Zeit gelesen hast, ist dir besonders nahe gekommen? Wer hat dich beeindruckt? Mit wem hast du mitgefiebert oder dich mitgefreut? 

Und wie geht das eigentlich beim Schreiben, Figuren zu entwickeln, die den Leser faszinieren, die glaubwürdig sind und die Handlung voranbringen? Stell dir vor, du würdest dich in einem Café mit der Hauptfigur deiner Geschichte oder deines Romans treffen: Worüber unterhaltet ihr euch? Wie erlebst du ihn oder sie?      

(Haupt-)Figuren entwickeln und erforschen – 4 Tipps

1. Was ich aus meinem Leben machen will ...
Was macht die Hauptfigur aus? Schreibe zu ihren Ängsten, zu ihrer Motivation, ihren Zielen. Was ist ihre oder seine wichtigste Charaktereigenschaft? Bring sie in eine Szene – unabhängig davon, ob diese Szene schon in der Geschichte vorgesehen ist.

2. Was wäre wenn ...  

Oft haben wir für die Figuren in unseren Geschichten schon ein ganz bestimmtes Agieren im Kopf. Mehr über sie erfahren wir, wenn wir sie in unvorhergesehenen Situationen handeln lassen. Was wäre, wenn sich die Heldin in jemand ganz anders verliebte? Wie würde der Held agieren, wenn er in einer anderen Zeit lebte?               

3. Immer passiert mir so etwas ...
Versetze dich in deine Hauptfigur hinein: Worüber hat sie / er sich in letzter Zeit am meisten geärgert - oder gefreut? Schreibe einen Tagebucheintrag, einen Brief oder eine E-Mail dazu aus seiner / ihrer Perspektive.

4. Gang,  Haare, Augen ...
Dem Leser gegenüber charakterisieren sich die Figuren auch durch ihr Äußeres, den Gang, die Haare, die Augen. Aber: Du brauchst nicht alles zu beschreiben. Wichtig sind die Details, die für diese Figur besonders sind. 

Es sollte ja nur eine Kurzgeschichte werden und jetzt hast du mehr Material zu deiner Hauptfigur als die Geschichte lang werden sollte? Gut so! Nur ein Bruchteil des Materials geht in die Geschichte ein. Wichtig ist, dass du deine Figuren besser kennenlernst.

Ob Café, Biergarten oder Strand,
ich wünsche dir einen schönen Sommer,

Sigrid

Wo sagt man Wecken und wo heißt es Schrippen? Und ist beim Bäcker in Prenzlauer Berg die Bezeichnung "Wecken" angebracht? Der Streit darum hat Anfang 2013 auch eine der "Deutschlandkarten" in der ZEIT angeregt. Da finden sich die "Brötchen" im Westen und im Norden, das "Rundstück" ragt aus Schleswig-Holstein hinein. Die Wecken, Weckle und Weggli kommen aus dem Südwesten, die Semmel aus Bayern und die Laabla aus Franken. Und die Schrippen natürlich aus Berlin und dem Umland.

Die Varianten bei den Backwaren sind allerdings nur ein kleiner Teil dessen, was in den Mundarten der deutschen Sprache alles unterschiedlich benannt wird. Am häufigsten sind Varianten bei Wörtern, die schon lange im Alltag verwendet werden:  Zeitangaben, Bezeichnungen für die Verwandtschaft, Begriffe aus der Landwirtschaft und natürlich Essen und Trinken.  

3 Beispiele für Vielfalt in der deutschen Sprache:

1. Hochsprache oder Umgangssprache?
Der eine sagt Samstag, der andere Sonnabend. Und was uns nicht vertraut ist, halten wir oft für Umgangssprache. Ist es aber nicht. Südlich des Mains heißt es eher Samstag, nördlich eher Sonnabend. 

2.
Wer länger da ist, trägt mehr Namen

Die „moderne“ Tomate (als Gartenfrucht in Deutschland erst seit dem 20. Jahrhundert heimisch) heißt zwar auch noch Paradiesapfel,  Paradeiser oder Liebesapfel. Doch die Kartoffel (seit  dem 18. Jahrhundert im größeren Stil angebaut) bringt es immerhin auf rund 30 verschiedene Bezeichnungen: von Grumbeeren in der Pfalz bis zu Tüften auf Plattdeutsch.               

3. Fremde Wörter in alten Texten
Mit dem Titel des Märchens „Von dem Machandelbaum“ konnte ich lange nichts anfangen. Bis ich mal nachschlug und herausfand, dass das der Wacholderbaum ist. Laut "dtv-Atlas zur deutschen Sprache" gibt es 300! Synonyme zum Wacholder, dabei sind unter anderem:  Kranawit, Reckholder, Stüprute, Knirk und Krondelbeer. 

Schon Appetit bekommen? Die biografisch-kulinarische Schreibwerkstatt gibts am Samstag, 25. Mai ab 14 Uhr in Caputh. Wir schreiben zu kulinarischen Erinnerungen, lassen schreibend Erlebnisse rund ums Essen und Trinken aufsteigen und genießen ein gemeinsames Abschlussbuffet.

Genieß den Mai - mit Spargel, Rhabarber,
Waldmeister, Bärlauch & Co.

Sigrid

Liebe Sprachfreundin, lieber Sprachfreund,

Schreiben und lesen – das gehört zusammen. Und zum Lesen gehören nicht nur die Bücher und Geschichten, sondern auch die Leseorte und unsere Erinnerungen daran.

Eine meiner frühsten Leseerinnerungen: Bis in die siebziger Jahre hinein gab es in den Messehallen am Funkturm auch eine Berliner Buchmesse. Das habe ich schon als Kind genossen. Und dann natürlich der Bücherbus, der einmal in der Woche in unserer Straße parkte und die Atmosphäre in den Stadtteilbibliotheken.

Drei Tipps zu schönen Leseorten

1. Zum Welttag des Buches 2013
Schon Tradition: Immer am 23. April können Schüler/innen der 4. und 5. Klassen über Buchhandlungen ein Exemplar des Welttagsbuchs "Ich schenk dir eine Geschichte" erhalten: www.welttag-des-buches.de.

Das geht doch auch für Erwachsene! Deshalb lesen Silvia Friedrich und ich am 23. April um 19 Uhr im Café im Garten in Stahnsdorf Geschichten übers Lesen. Der Eintritt ist frei, Spenden herzlich willkommen und es gibt ein Geschichtengeschenk zum Mitnehmen.


2.
Sonntags geschlossen? Nicht mehr ganz!

Wer sich bisher geärgert hat, dass gerade am Sonntag oder abends die Bibliotheken geschlossen haben: Mit dem Besucherausweis z.B. der Berliner Bibliotheken lassen sich rund um die Uhr E-Books, Hörbücher und Filme herunterladen. Und von Literaturkreisen in Englisch über Ausstellungen bis zu Schreibwerkstätten bieten Bibliotheken inzwischen auch Veranstaltungen - oft unterstützt durch den jeweiligen Freundes- bzw. Förderkreis.
               

3. Bücherorte in Filmen und Romanen
Gelesen wird in Romanen und Filmen sowieso oft. Aber es gibt auch solche, die explizit in Buchhandlungen oder Büchereien spielen. Zum Beispiel "Die souveräne Leserin" von Alan Benett über die Queen im Bücherbus. Oder "Notting Hill" mit Hugh Grant als Reisebuchhändler. Oder mal was ganz anders: Der 5-Minuten- Film "Cookie Monster in the Library".

Und noch ein Termin: Am Montag, 29. April um 20 Uhr gibt´s im Lesesalon von Heike Isenmann in Potsdam West wieder "Märchen trifft Saxofon" - mit neuen Märchen von mir, begleitet von Katja Barthmuss am Saxofon.

Gutes Lesen wünscht

Sigrid

Liebe Sprachfreundin, lieber Sprachfreund,

seit einigen Wochen begleitet mich das Buch „Mit Gedichten durchs Jahr“. Für jeden Tag gilt es hier einen gedichteten Schatz zu heben – von Erich Kästner, Ingeborg Bachmann, Robert Gernhardt und vielen anderen.

Du kannst es natürlich aber auch selbst tun – jeden Tag.

Drei Anregungen fürs Frühlingsdichten

1. Dein Gedicht des Tages  

Was ist heute besonders? Das erste Schneeglöckchen im Park? Vogelzwitschern in deinen Träumen morgens um 6? Fang es ein mit wenigen – oder mehr – Worten.

2. Das Gedicht zum Titel

Wer sagt denn, dass es zu einem Titel nur ein Gedicht geben kann? Lass dich inspirieren von den Titeln von Frühlingsgedichten zu eigenen Texten. Wie wäre es z.B. mit "Frühzeitiger Frühling" (Goethe) oder "Märztag" (Detlev von Liliencron) oder "Weil es seit drei Tagen regnet" (Rainer Brambach). Lies das dazugehörige Gedicht am besten vorher nicht.  Und wenn dein Gedicht fertig ist, kommt vielleicht noch ein ganz eigener Titel dazu.  

3. Frühling in siebzehn Silben

Und - welche Gedichtform eignet sich besonders gut für jahreszeitliche Impressionen? Genau - das Haiku. Kurz und sehr stimmungsvoll, besteht es aus drei Zeilen: 1. Zeile
5 Silben, 2.Zeile 7 Silben, 3. Zeile wieder 5 Silben. Als Beispiel ein Haiku von Gyôdai, einem japanischen Dichter des 18. Jahrhunderts: "Ein Veilchen pflücken,  // Ach, den so winzig kleinen // Gedanken des Frühlings."

Eine Kürzestgeschichte in Gedichtform? Das geht natürlich auch. Aber auch noch einiges anderes.  Viele neue Anregungen für das Schreiben von sehr kurzen Geschichten kannst du am Samstag, 9. März kennenlernen – in der Schreibwerkstatt "Kürzestgeschichten – die auf eine Postkarte passen."

Einen schönen Frühling wünscht dir

Sigrid

Liebe Sprachfreundin, lieber Sprachfreund,

in den letzten Tagen habe ich "Lolita lesen in Teheran" als Hörbuch gehört. Die Autorin Azar Nafisi erzählt in diesem Roman von ihrer eigenen Geschichte als Dozentin für englische Literatur, die Anfang der 90iger Jahre nicht mehr an der Universität in Teheran unterrichten darf. Stattdessen lädt sie eine ausgewählte Gruppe von Studentinnen zu sich nach Hause ein, um die Lektüre von Romanen wie "Der große Gatsby" oder Nabokows "Lolita" fortzusetzen. 

Was machen Bücher, die wir lesen, mit uns? Welche unterschiedliche Wirkung können Sie auf verschiedene Menschen haben? Welche Geschichten begleiten – und unterstützen – uns Jahre und Jahrzehnte? Diese Erfahrungen und Erinnerungen bieten auch Stoff fürs Schreiben.

Drei Anregungen zum Schreiben übers Lesen:

1. Fünf Sätze zum Buch

Gerade ein spannenden Roman gelesen? Oder auch nicht so spannend ... Schreib deinen Eindruck auf, für dich selbst zum Erinnern, als Empfehlung an Freunde oder zum Einstellen in Lese- oder Bücherportale im Netz. Geh sowohl auf den Inhalt als auch auf deine Meinung ein. Und zum Schluss ein Fazit in einem Satz.

2. Dein Lieblingsleseort

Auf dem Sessel und die Füße hoch? In der Hängematte mit Blick auf den See? In der S‑Bahn? Wo liest du am liebsten? Und wie muss es da sein, damit sich das Lesen so richtig gut anfühlt? Stell dir deinen Lieblingsleseort in einem kurzen Portrait vor.

3. Lieber Mr. O. Henry ...

Was wolltest du der Autorin oder dem Autor deines Lieblingsbuches schon immer einmal sagen? Schreib ihm doch einfach einen Brief oder eine E- Mail – mit oder ohne abschicken.

Herzliche Grüße von

Sigrid

Hallo Schreibfreudige,

Wichteln, Julklapp, Weihnachtsfeiern, Silvesterparties der Dezember ist ein geselliger Monat. 

Was liegt da näher, als sich auch mal wieder an Schreibspielen zu versuchen? Mit dieser kleinen Liste hast du schnell eine Idee zur Hand. 

Einige Ideen für Schreibspiele bei Parties oder in kleiner Runde:     

1. Reigenschreiben Faltgeschichten:

Gerade bei geselligen Anlässen ist das Reigenschreiben sehr beliebt. Entweder frei oder nach einem bestimmten Aufbau / zu einem bestimmten Thema schreibt jeder den Anfang eines Textes, gibt dann das Blatt weiter an den nächsten Schreiber usw. Viel Vergnügen in der Vorleserunde verspricht auch die Variante, bei der das gerade Geschriebene zum Teil oder ganz weggeknickt wird, sodass der nächste Schreiber nicht / nicht genau weiß, woran er anknüpft.

2. Perspektivwechsel:

Ich als Vase, meine Nachbarin als Vorhang und mein Gegenüber als Kronleuchter? Jeder schreibt einen kurzen Text aus der Perspektive eines Gegenstandes im Raum.      

3. Kreative Entkürzelungen:

"usw." heißt "und so weiter"? "ggf" steht für "gegebenenfalls"? Aber es könnte auch anders sein. Bei diesem Spiel schreibt jeder auf, wie sich Abkürzungen noch ganz anders auflösen ließen, z.B. mit "uns sowieso wurscht" oder "gemeingefährlich".  

4. Neue Wetterregeln erfinden:

Seit Tagen schon Schneematsch? Das spricht für neue Wetterregeln. "Liegt an Neujahr noch Schnee, ist des Schneemanns Juchhe" oder "Regen an Dreikönigstag eigentlich keiner richtig mag." Hauptsache, es reimt sich!  

Einen guten Rutsch ins Neue Jahr,
herzliche Grüße

Sigrid

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