Sigrid Varduhn
Autorin | Schreibcoach | Erzählerin

Liebe Sprachfreudige,

gestern Morgen im Radio: Der Sprecher verwendet die Redewendung "Aufs Tapet bringen". Ich stutze, habe ich lange nicht gehört. Soll da die Tapete mit etwas Wichtigem beschrieben werden? Nein! Das "Tapet" kommt vom französischen "tapis", ist aber trotzdem nicht der Teppich, sondern der Bezug auf dem Konferenztisch.

So ist es oft mit Redewendungen oder "alten" Wörtern – sie liefern uns ganze Wort- und Zeit-Geschichten mit.


Ein paar „Richtigstellungen“ zur Herkunft:
  

1. „Ich kann dich gut leiden.“

Schon manch einer ist über das Wort „leiden“ in dieser doch positiv gemeinten Redewendung gestolpert. Aber hier wird „leiden“ auch im Sinne von „(er)dulden“ genutzt. Und von da geht’s – immer positiver – in Richtung: „Ich kann es gut mit dir aushalten.“


2. AusMÄRZen?

Ein Wort, das mir letztens beim Schreiben auffiel. Es ging darum, Flüchtigkeitsfehler in E-Mails auszumerzen. Oder auszumärzen? Richtig geschrieben wird es mit "e", aber tatsächlich ist die - nicht sehr freundliche - Wortbedeutung dem "März" geschuldet. Bei den Schafen wurde Anfang des Frühjahrs geschaut, welche sich weiter zur Zucht taugen. Den Rest der Geschichte kannst du dir denken...

3. (K)einen Blumentopf gewinnen
Diese Zeit-Geschichte zur Redewendung habe ich im Magazin Landlust in einem Artikel über Blumentöpfe gelesen. Auch die aus Ton waren einmal so günstig, dass sie bei der Lotterie auf dem Jahrmarkt den kleinsten Preis darstellten. Daher also die Redewendung "damit kannst du keinen - oder: noch nicht einmal einen - Blumentopf gewinnen."

Geht´s dir so wie mir, dass du dich immer einmal wieder beim Hören, Lesen, Schreiben oder Sprechen über besondere "alte" Worte oder Wendungen wunderst?  Einfach nachschlagen - und schon bist du wieder einen Wort-Schatz reicher.

Ein frohes Osterwochenende wünscht

Sigrid

Mit den guten Vorsätzen habe ich es nicht so. Zumindest nicht in dem Sinne, dass im neuen Jahr alles anders werden soll. Meinen inneren Künstler würde ich allerdings schon gern öfter treffen.

Das Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron kennen viele. Den Künstlertreff stellt sie darin als eine der Grundtechniken vor - neben den Morgenseiten und dem Kreativitätsvertrag. Wenn auch du zwar das Buch kennst, dich aber schon länger nicht "verabredet" hast, ...

Das "Dating" mit dem inneren Künstler:
  

1. Pendant zu den Morgenseiten

Gedanken, Ideen, Träume zu Papier bringen – und das möglichst unzensiert. Dazu sind die Morgenseiten da. Aber wie füllt sich der kreative Brunnen eigentlich auf? Dazu schlägt Julia Cameron den Künstlertreff vor. Eine regelmäßige „Verabredung“ von zum Beispiel 2 Stunden pro Woche mit dem inneren Künstler. Um auf neue Gedanken zu kommen, sich Anregungen zu holen, in den „Flow“ zu gelangen.

2. Allein. Und nicht Routine.

Ob Ausstellungen, Konzerte oder Spaziergänge am See - wie dein innerer Künstler sich am besten inspirieren lässt, findest du am besten selbst heraus. Wichtig ist allerdings: Du solltest dich allein mit ihm verabreden. Mit Freunden etwas zu unternehmen, ist eine wunderbare Sache. Beim Künstlertreff steht aber gerade nicht der Austausch mit einem anderen Menschen im Vordergrund, sondern das innere Verarbeiten.

Ein weiterer Punkt: Was du unternimmst, sollte nicht zu deiner Alltagsroutine gehören. Wer täglich 3 x mit dem Hund rausgeht, für den wird zumindest die normale Hunderunde nicht unbedingt als Künstlertreff funktionieren.

3. Sich zuhören. Auch bei Widerständen.
Es will und will nicht klappen mit einem Treffen und du verschiebst den Künstlertreff Woche um Woche? Dann heißt das auch was. Finde heraus: Wie wichtig ist dir deine Kreativität? Und warum geht anderes immer vor? 

Oder du nimmst dir noch nicht das Richtige vor. Du schaust dir Skulpturen an, aber dein innerer Künstler möchte Eislaufen gehen? Was du tust, sollte auch Spaß machen und zum Spielen anregen. 

Bisher keine Idee für den Künstlertreff? Dann lass doch mal das vergangene Jahr Revue passieren: Welche Ausstellung, welches Konzert oder welcher Ausflug hat dich zu neuen Ideen angestiftet? Dann könnte so etwas auch gut sein für dein nächstes Date. Also, nächsten Mittwoch?

Ein gutes Jahr mit Raum und Zeit für Kunst & Kreativität wünscht dir

Sigrid

Hallo in die Sprachlust-Runde,

wie viele Lesungen mag es pro Tag in Deutschland geben? Ob Buchhandlungen, Cafés, Theatersäle, Salons, Bibliotheken, Schulen, Kindergärten, im privaten Rahmen und ... – da kommt so einiges zusammen. Außerdem ist für jeden Geschmack etwas dabei. Krimis, Romane, Lyrik, Drehbücher, Ratgeber. Klassische Autorenlesungen, Poetry Slam, Blind Date Lesungen (da weißt du nicht, wen du bekommst)...

Du kannst also einfach mal wieder zuhören gehen. Oder selbst vorlesen.

Zum Beispiel:   

1. ... beim Vorlesetag am 20. November

2015 findet der bundesweite Vorlesetag zum 12. Mal statt. Mittlerweile eine Großveranstaltung, bei der auch jede Menge Promis mitmachen. Vorleserin oder Vorleser lässt es sich hier werden: www.vorlesetag.de. Aktivste, öffentlichkeitswirksamste und außergewöhnlichste Vorlesehauptstädte waren 2014 übrigens die bayerische Gemeinde Rain, die Stadt Mainz und Wiesbaden. 

2. ... beim Leseabend mit Freunden

Statt Hausmusik: ein kleiner literarischer Salon im privaten Rahmen. Mit Lieblingstexten, den bewährten und auch neu entdeckten. Und wenn du selbst schreibst – vielleicht auch mit deinen eigenen Texten?

3. ... oder als Wort-Massage
Einfach nur einmal wieder einem anderen lieben Menschen vorlesen. Ich kenne keinen, ob groß oder klein, der das nicht mag. Und in die Jahreszeit mit den heimeligen Abenden passt es auch.

Wenn du doch auch selbst zuhören möchtest: Am 8. November um 17 Uhr lese ich meine Herbstgeschichten - begleitet von Felisa am Akkordeon - im Café Eiszeit, Bahnhofsstraße 8, 15831 Mahlow.

Herzliche Grüße im Herbst von

Sigrid

Liebe Schreibfreundin, lieber Schreibfreund,

schreiben Sie über einen erlebten oder erfundenen Unfall“ – so lautet eine der Aufgaben in Louise Doughtys „Ein Roman in einem Jahr“. Braucht denn jede Geschichte einen Unfall? Doch darum geht es gar nicht so sehr. In fast jeder (wann gelten Regeln schon mal für alle) Geschichte bricht ein konkretes Ereignis – der auslösende Moment – in den Alltag des Helden/der Heldin ein und bringt die Handlung  ins Rollen. Das kann ein Unfall sein, eine Begegnung, ein Umzug oder etwas anderes, das das Leben verändert.

Der auslösende Moment in Geschichten – 3 Beispiele:  

1. Warum tut sie das?

Eine von Alice Munros Geschichten startet damit, dass eine rothaarige, sommersprossige Frau den Bahnhof aufsucht und Möbel in eine Stadt irgendwo in Kanada verschicken will, von der der Stationsvorsteher noch nie gehört hat. Warum tut sie das? Will sie dorthin ziehen? Wer ist die Frau, die der Stationsvorsteher zum ersten Mal sieht, obwohl er doch so gut wie alle in der Stadt kennt? Das auslösende Moment weckt Fragen beim Leser – die durch die Geschichte führen.


2. Das Problem

Auch ganz kurze Geschichten kennen auslösende Momente. „Die Geschichte mit dem Hammer“ von Paul Watzlawick beginnt mit dem schlichten Satz: „Ein Mann will ein Bild aufhängen.“ Das sollte doch eigentlich kein Problem sein, oder? Aber es muss ein Problem geben, sonst wäre es keine Geschichte. Also lese ich los...

3. In der Geschichte verborgen
Noch raffinierter: Das auslösende Ereignis muss noch nicht einmal offensichtlich sein, damit es unser Interesse weckt. Es reicht schon, wenn wir es vermuten. In der Geschichte „Das serbische Mädchen“ von Siegfried Lenz macht sich Dobrica auf den Weg nach Hamburg, um nach Achim zu suchen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie schwanger ist. Auch im letzten Satz der Geschichte deutet der Ich-Erzähler das allerdings nur an: „Als sie weggeführt wurde, lächelte sie und als sie in der Mitte des trüben Ganges stehen blieb und sich zu mir umwandte, um mir knapp zuzuwinken, wusste ich, dass sie das dünne Kleid mit den aufgedruckten Mohnblüten nicht mehr lange würde tragen können.

Auslösende Ereignisse (er-)finden und zu Geschichten weiterentwickeln. Das kannst du am 2. Oktober von 16-18 Uhr ausprobieren, denn dann gibt es die Tea-Time-Schreibwerkstatt „Alltagsminiaturen“ im WunderScholl in Potsdam-West. Und wer langfristiger plant, kann sich schon den 27. November vormerken – für die Tea-Time-Schreibwerkstatt „Adventsgeschichten“.

Herzliche Grüße

Sigrid

Am Strand spazieren gehen und Schreibimpulse für später sammeln oder sich in Schriftstellerhäusern fürs eigene Schreiben inspirieren lassen. Das kreative Schreiben ist urlaubstauglich. Wo du auch hinfahren möchtest – die Schreibwerkstatt ist schon da. Hier ein paar Angebote für kreatives Schreiben im Urlaub an besonders schönen Orten.

Kreatives Schreiben – gibt’s überall:  

1. An der Küste

Die Akademie für kulturelle Bildung im Norden – das Nordkolleg in Rensburg. Im Literaturprogramm unter anderem ein Lesungscoaching für Autoren: www.nordkolleg.de  

2. In einem alten Camuzzi-Turm am Luganer See

Vom 14. bis 16. August – kreative und literarische Schreibimpulse mit Karin Schwind im Hermann-Hesse-Museum in Montagnola am Luganer See: www.hessemontagnola.ch  

3. Im Herzen Englands

Farmhäuser, Mühlen, Herrenhäuser, ... very british. Die Arvon Centers bieten eine ganze Reihe von 5-tägigen Workshops und Retreats zum kreativen Schreiben an. Zum Beispiel in Lumb Bank in einer alten Mühle aus dem 18. Jahrhundert, in der der Schriftsteller Ted Hughes gelebt und gearbeitet hat: www.arvon.org.

4. In den Hügeln von Hampshire
Schreiben wo Jane Austen lebte und schrieb. Zum Beispiel im „Life writing workshop“: www.jane-austens-house-museum.org.uk 

Und das sind nur ein paar Beispiele von noch viel mehr. Halt einfach die Augen offen. Und wenn es dieses Jahr nicht passen sollte, dann vielleicht im nächsten Jahr.

Schöne (Schreib-)Ferien wünscht

Sigrid

Liebe Schreibfreundinnen, liebe Schreibfreunde,

beim letzten Tea-Time-Schreiben vor der Sommerpause geht’s diesen Freitag, 12. Juni von 16-18 Uhr im WunderScholl in Potsdam-West um Liebesgeschichtchen – also auch um die Frage nach dem Happy End.

Deshalb habe ich für diese Sprachlust einige letzte Sätze von Liebesromanen herausgesucht. Zur Inspiration fürs eigene Schreiben oder du stöberst selbst weiter im Bücherregal, auf dem E-Reader oder in der Bibliothek.

Liebesgeschichten – so können sie enden:  

1. Doch ich habe keine Wahl. Er wird kommen und ich bin da.aus "Die Frau des Zeitreisenden" von Audrey Niffenegger

2. Das tröstete mich. Ein bisschen. aus "Ich wünschte mir, dass irgendwo einer auf mich wartet" von Anna Gavalda  

3. Und es mag sein, dass die Liebe manchmal ohne Schmerzen und Elend kommt.aus "Schiffsmeldungen" von Annie Proulx

4. Wir haben nichts zu verlieren, weil wir nichts haben. Komm.aus "Zusammen ist man weniger allein" von Anna Gavalda

5. After all, tomorrow is another day.aus "Vom Winde verweht" von Margaret Mitchell

Weiter geht es mit den Tea-Time-Schreibwerkstätten dann im Herbst. Einen sonnigen Juni wünscht

Sigrid

Der November gilt ja als „National Novel Writing Month“ und manch eine und einer haben sich schon am Ziel der mindestens 50.000 Wörter in einem Monat versucht.

Dass der Mai seit einigen Jahren der „National Short Story Month“ ist, habe ich aus dem Magazin „Writer‘s Digest“  erfahren. Den National Short Short Story Month – also den Monat der Kürzestgeschichten – gibt es meines Wissens noch nicht. Hier trotzdem schon einmal ...

... 3 Tipps zum Schreiben von ganz kurzen Geschichten:

1. So viel weglassen wie geht.
Eine Geschichte in  einer Zeile - wie kann das funktionieren? Weil 99 Zeilen nicht da stehen und der Leser sie trotzdem „liest“. Wie in der berühmten Kürzestgeschichte von Ernest Hemingway: „For Sale: baby shoes, never worn“.

2.
Den Dreh brauchst du trotzdem.
Auch oder gerade die Kürzestgeschichte braucht den überraschenden Moment, die Wendung. Ein Mann sitzt auf einer Parkbank. Eine Frau geht mit einem Hund vorbei. Der Mann auf der Parkbank bleibt sitzen. Mit viel Phantasie kannst du darin eine Geschichte sehen. Aber offensichtlich ist sie nicht. Anders wäre es zum Beispiel so: Ein Mann sitzt auf einer Parkbank. Eine Frau geht mit einem Hund vorbei. Der Hund setzt sich. Das Paar geht davon.  

3. Mit wenigen Strichen gezeichnet.
Der Mann ist hager, sein Gang wirkt gehetzt. Auf dem Kopf trägt er einen Hut, der seine besten Zeiten schon hinter sich hat. Der Anzug ist fleckig, die Hosenbeine ausgefranst, die Schuhe abgetreten. Seine Haut ist blass, die Augen schimmern in einem wässrigen Blau... Noch mittendrin in der Beschreibung der Hauptfigur, aber das Limit schon fast erreicht? Die Mikrogeschichte arbeitet mit wenigen Pinselstrichen, ob es um Figuren oder Schauplätze geht. Es heißt also auszuwählen, welche Eigenschaften, welche äußeren Merkmale so typisch und entscheidend für die Handlung sind, dass sie unbedingt in die Geschichte hineingehören. 

Viel Wonne im Mai und gute Geschichten wünscht dir

Sigrid

Liebe Sprachfreundin, lieber Sprachfreund,

vor rund 15 Jahren war ich das erste Mal in der Oberlausitz, um am Ostersonntag den sorbischen Brauch  des Osterreitens zu erleben: Reiter machen sich auf festlich geschmückten Pferden von einem Ort zum anderen auf, um die Osterbotschaft zu verkünden. Die verschiedenen Prozessionszüge dürfen sich dabei allerdings nicht begegnen.

Kulturelle und sprachliche Vielfalt wollen gefördert werden. Deshalb in dieser „Sprachlust“ ein wenig davon rund um Ostern. 

Was Ostern sprachlich zu bieten hat:

1. Ostern oder Paschen?
Von „Paasken“ (friesisch) nach Oschtere (schwäbisch) zieht sich die Nord-Süd-Achse in Sachen Ostern. „Ostarun“ beruht auf dem Namen der germanischen Göttin des Frühlings „Austro“ - oder lateinisch „Aurora“. In England und Deutschland hat sich „Eastern / Ostern“ durchgesetzt, während sich in Französisch, Spanisch und Italienisch das kirchenlateinische „Pasca“ gehalten hat, das seinerseits aus dem Hebräischen stammt (Paschafest).

2.
Huhn und Hahn
Henne, Hinne, Henna, Hinkel fürs Huhn. Hohn, Hahne auch für den Hahn. Alles ganz schön ähnlich. Das liegt einfach daran, dass die alten Germanen das Huhn auch schon als Haustier hatten und sich deshalb die Bezeichnung dafür schon früh geprägt hat.  Den „Gockel“ gibt’s trotzdem auch, der kommt von der indogermanischen Wurzel „ghel“ für „tönen“ oder „gellen“.

3. Alle Hoosn san grau?
Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn haaßn.“ heißt es in der Nürnberger Mundart. Und ursprünglich stammt der „Hase“ vom indogermanischen „kaso“ ab – „der Graue“. 

Ab nächsten Dienstag heißt es dann wieder: Schon alle Ostereier gefunden oder versteckt sich irgendwo noch eins? Auch wenn du nicht der klassische Krimi-Schreiber oder –Leser bist, Krimis sind gut fürs „Spannung lernen“. Eine nach-österliche Kürzestkrimiwerkstatt erwartet dich am Freitag, 10. April von 16-18 Uhr beim Tea-Time-Schreiben in der Teestube „Wunderscholl“ in Potsdam-West.  

Nun einfach frohe Ostern wünscht dir

Sigrid

Morgen geht’s los: Vom 5. bis 8. März findet wieder das Jahrestreffen des Segeberger Kreises - der Gesellschaft für kreatives Schreiben - statt, diesmal in Fuldatal bei Kassel.

Vom Treffen vor einem Jahr in Meißen habe ich neben vielen weiteren Impulsen auch den Buchtipp „Zwei Autoren, ein Roman. Anstiftung zum Schreiben im Duo“ von Franziska Brunn mitgenommen. Und weil ich das Buch inzwischen nicht nur gelesen habe, sondern die Tipps darin auch sehr wertvoll finde, geht’s diesmal ums Schreiben im Duo.

3 Tipps fürs Schreiben zu zweit:

1. Sympathie im Schreibteam

Jeder hat seinen Stil – das gilt natürlich auch fürs gemeinsame Schreiben. Wichtig ist allerdings, dass du an dem Stil des anderen etwas finden, ihn schätzen solltest.

Die Autorin Ute Mügge-Lauterbach vom Krimiduo Auerbach & Keller findet sich im genannten Ratgeber mit diesem Tipp: „Um zu prüfen, ob man zueinander passt, würde ich zwei unabhängige Kurzgeschichten zum selben Thema schreiben und sie vom jeweils anderen bearbeiten lassen. Wenn mir mein Text dann immer noch gefällt und auch die andere Person noch Freude an ihrem Ausgangstext hat – dann kann man es miteinander versuchen.

2. Auch nicht unwichtig: das Rechtliche

Ihr kennt euch, ihr mögt euch – also alles geklärt? Was für Nicht-Profis erst einmal nicht so wichtig erscheint, kann schnell wichtig werden. Und dann ist es sinnvoll, z.B. die Finanzen geregelt zu haben, die Rechte an Figuren oder die unterschiedliche Aufgabenverteilung innerhalb des Schreibduos.

3. Du recherchierst, ich schreibe ...

Für ihr Buch hat Franziska Brunn Autoren und Autorinnen interviewt, die zu zweit schreiben. Sie berichten von ihrer Arbeitsweise, von den Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt und von der Motivation, trotzdem immer weiter zu zweit zu schreiben. Die Arbeitsteilung kann dabei ganz unterschiedlich aussehen: Einer recherchiert, einer schreibt. Einer schreibt, einer überarbeitet. Oder so wie beim Krimiduo Hoeps und Toes:  Jeder der Autoren schreibt aus der Perspektive einer der beiden Hauptfiguren.


Nicht nur zu zweit, sondern in einer kleinen Gruppe schreiben kannst du ab März einmal im Monat freitags bei meinen Tea-Time-Geschichten-Schreibwerkstätten in Potsdam. Der erste Termin: Freitag, 13. März 2015, 16-18 Uhr in der Teestube „Wunderscholl“.

Gute Ideen beim Schreiben allein, zu zweit oder in der Gruppe wünscht

Sigrid

Nur 33 Kilometer Luftlinie von mir am Schwielowsee entfernt startet heute in Berlin wieder das große Filmfestival. Ich selbst lande eher per Zufall bei der Berlinale – wenn jemand anders die Karten organisiert. Aber für Kopfkino beim Schreiben – und damit beim Lesen – bin ich immer zu haben.

3 Tipps, um die Bilder im Kopf zum Laufen zu bringen:

1. Die Details entscheiden

Stell dir vor, in deiner Geschichte kommt eine Szene vor, in der jemand sein Auto vom Eis freikratzt. Du könntest schreiben "X kratzte sein Auto frei." Das dauert dann eine Sekunde im Kopf des Lesers. Oder du könntest in allen Einzelschritten beschreiben, wie deine Hauptfigur nach und nach ihr Auto vom Eis befreit. Das dauert – auch beim Lesen – 10 Minuten oder länger.

Zum Glück hast du noch eine dritte Möglichkeit: Du greifst die Details heraus. Benutzt er oder sie einen Handschuh, weil kein Eiskratzer zur Hand ist? Sind die Scheiben von innen beschlagen? Fegt er oder sie den Schnee zum Schluss vom Dach, sodass die Scheibe wieder weiß ist?

Der Vorteil bei der Auswahl von Details: Du beschreibst eigentlich wenig, rufst aber trotzdem länger wirkende Bilder beim Lesen hervor.
  
2. Merkwürdige Bilder sind stärker

Du beschreibst eine Schneelandschaft: Ausgedehnte Wälder, schneebedeckte Tannen, ... nur ein Baum ist nicht weiß. Sofort macht sich das Auge des Lesers an diesem einen Baum fest und der Kopf will wissen: Warum? Warum ist gerade dieser Baum nicht vom Schnee bedeckt? Und schon ist der Leser im „Film“ drin.

3. Setz die Szene in Szene

"Lisa und Arne sitzen am Kamin und plaudern die ganze Nacht durch. Am nächsten Morgen kann Lisa sich nicht mehr erinnern, wann sie wie ins Bett gekommen ist, und Arne ist verschwunden."
Auch eine Geschichte. Aber wenn es nicht gerade eine Mikrogeschichte werden soll, hilft  es dem Leser, wenn du ab und zu den Weitwinkel einstellst.

Wo ist denn dieser Kamin, an dem Lisa und Arne sitzen? In einer Villa, in einem Ferienhaus am Strand, in den Bergen? Wie sieht es sonst im Raum aus, was gibt es noch Wichtiges dort für die Geschichte - außer dem Kamin? Wo bin ich? Das ist eine wichtige Frage der Leserinnen und Leser, um in deinen "Film" hineinzukommen.

Wie´s geht, das Kino im Kopf und vieles Weitere aus dem Handwerkzeug des kreativen und literarischen Schreibens, erfährst du auch in meinen neuen Tea-Time-Geschichten-Schreibwerkstätten am Nachmittag. Und die gibt’s ab März auch freitags in Potsdam-West, in der Teestube „Wunderscholl“. Der erste Termin: Freitag, der 13. März 2015 mit „Alltagsminiaturen“.

Herzliche Grüße

Sigrid

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