Sigrid Varduhn
Autorin | Schreibcoach | Erzählerin

Das Thema für den Text steht? Dann geht es jetzt darum, Ideen, Assoziationen, Worte dazu zu finden bzw. sich bewusst zu machen.

Dafür setze ich in meinen Werkstätten eine Methode ein, in die es sich sehr leicht hineinkommen lässt: das ABC-Darium. Zum Strukturieren bietet es sich nicht so an, aber sehr gut fürs Aufspüren unseres Wort-Schatzes zu einem Thema.

Es funktioniert ganz einfach: Schreibe auf ein Blatt Papier auf der linken Seite das ABC herunter, von A bis Z. Oder tippe es in den Computer ein. Anschließend notierst du zu jedem Buchstaben die Begriffe, die dir dazu einfallen. Naturgemäß sind es bei den meisten Themen eher weniger Begriffe, die mit "Q", "X" oder "Y" anfangen. Dafür fällt einem zu Buchstaben wie "A", "B" oder "P" oft eher mehr ein. Wenn dir zu einem Buchstaben mehreres einfällt, notiere ruhig alle Begriffe. Schließlich geht es hier darum, den Wort-Schatz vor sich auszubreiten, damit du beim Schreiben daraus schöpfen kannst.

Wer im Duo schreibt oder mit dieser Methode in einer Schreibwerkstatt arbeiten möchte, hat sogar noch ein paar mehr Möglichkeiten.

Im Schreibduo oder in der Werkstatt – Varianten fürs ABC-Darium:

a) Eins für alle: gemeinsam Ideen finden.

Wenn du zu mehreren schreibst, kann natürlich jede/r ein ABC-Darium zum jeweiligen Thema für sich anlegen. Oder aber: ein gemeinsames. Dann geht das Blatt in der Runde herum und wird von allen aufgefüllt. Auch möglich: Das Alphabet auf einen großen Papierbogen zu schreiben und die gemeinsamen Ideen an der Wand oder auf dem Boden zu sammeln - mit dicken Stiften!

b) Das habe ich auch! Gemeinsame Themen finden.

Eine weitere Variante zu zweit oder in der Gruppe: Jede/r erstellt zwar ein eigenes ABC-Darium, aber anschließend geht es darum, gemeinsame Themen zu entdecken. Zum Beispiel, indem nacheinander alle Listen vorgelesen und Mehrfachnennungen vermerkt werden.

Wichtig: Es sollte vorher klar sein, wenn mit den Begriffen des ABC-Dariums in der Gruppe weitergearbeitet werden soll. Manch eine/r möchte das gern wissen, bevor es ans Aufschreiben der eigenen Wörter geht.

c) Das finde ich spannend! Der Nachbar wählt aus.

Bei dieser Variante schreibt jeder/r eine eigene Liste, aber dann tauschst du dein Blatt mit einem Partner/einer Partnerin. Und der/die andere kreuzt 3, 5 oder 7 Begriffe an, die er oder sie besonders interessant findet. Der anschließende Schreib-Job: Du verfässt einen Text , der alle oder einen Teil der Begriffe beinhaltet. Diese "Auftragsarbeit" hat den Vorteil, dass wir auch über Verbindungen schreiben, die wir von allein nicht gezogen hätten.

Auch in meinen Schreibwerkstätten zum biografischen Schreiben setze ich die Methode ein. Zum Beispiel, um im ersten Schritt auszuloten, was – und wer – uns denn alles zu unserer Kindheit und Jugend einfällt. Einige erste Termine für das Jahr 2018 stehen schon. Die BIOgrafieGESCHICHTEN-Werkstätten gibt es nun auch in Caputh, mit den Themen "Bei den Großmüttern" am 10. Februar und "Begegnungen mit Menschen" am 18. April 2018.

Herzliche Grüße sendet

Sigrid

Liebe Schreibfreundinnen, liebe Sprachfreunde,

Elke Heidenreichs Kürzestgeschichten-Roman „Alles kein Zufall" hat mich zu meiner neuen Workshop-Reihe inspiriert. Auch wiederum kein Zufall, dass ich angefangen habe, selbst eine ganze Reihe von biografischen Kürzestgeschichten zu schreiben.

Der Rahmen: meine Kindheit in West-Berlin, eine Mischung aus Familiengeschichte, 70iger Feeling und Inselstadt-Kuriositäten. 100 Geschichten habe ich fertig, ca. 150 sollen es fürs Buch werden. Die meisten nicht mehr als fünf, sechs Sätze lang.

Manche Geschichten fallen mir ganz schnell ein. Das sind die, die ich schon öfter einmal erzählt habe. Aber dann gibt es auch die Erinnerungen, die nur als knappe Bilder auftauchen: ein Ort, eine Atmosphäre, ein Gegenstand.

Also forsche ich noch ein wenig weiter in den Erinnerungen und versuche, Beziehungen herzustellen. Die Methode meiner Wahl dafür ist meist das Clustering. Also den Kernbegriff in die Mitte eines Blattes notieren und dann drumherum Ketten von Worten, die mir dazu einfallen.

Biografisches Schreiben – von der Erinnerung zur Geschichte kommen:

a) Von Karl May bis Walt Disney – Verbindungen durch die Zeit

Ich habe die Sammelhefte noch genau vor Augen. In die meine Schwester und ich die Walt-Disney-Bilder geklebt haben. Schneewittchens Zwerge mit ihren knubbeligen Mützen. Das zarte Bambi, wie es durch den Wald streift. Merlin beim Schwingen seines Zauberstabes. Dann fielen mir die Sammelalben meines Vaters ein. Mit den Bildern aus Afrika und Südamerika und Karl May. Er hat in den 50iger Jahren gesammelt. Und so habe ich in dieser Geschichte sein und unser Sammeln in Verbindung gesetzt.

b) Ein Albtraum und ein guter Traum – von ungleichen Paaren

Es gibt einen Traum, der mich seit meiner Kindheit begleitet, kein guter allerdings. Ich fahre in einem Fahrstuhl über das Dach hinaus und weiß nicht mehr, wo ich bin. Dann fiel mir ein, dass es noch einen guten Traum vom Fliegen gibt, in dem ich Anlauf hole und über die Dächer der Stadt fliege. Also sind beide in einer Geschichte gelandet. Unter dem (nicht verwunderlichen) Titel „Träume".

c) Die roten Haare meiner Tante – vom Einzelnen zum Allgemeinen kommen

Die jüngere Schwester meiner Mutter ist 13 oder 14, als sie mit rot gefärbten Haaren nach Hause kommt. Vom Friseur. Großer Ärger. Dass sie sich das leisten konnte, lag daran, dass sie vom Wedding nach Ost-Berlin gefahren ist. Durch den Wechselkurs ist für die West-Berliner dort vor dem Mauerbau vieles viel billiger. Restaurants, Tanzen gehen und eben auch der Friseurbesuch. Meine Geschichte dazu trägt den Titel "Grenzgänger".

Inspiriert? Kommst du selbst auch schon ins Erinnern? Wenn du mitschreiben magst – im Herbst finden die Schreibwerkstätten BIOgrafieGESCHICHTEN im Kunstgewerbehaus Berlin-Zehlendorf jetzt an Samstagnachmittagen statt.

Herzliche Grüße

Sigrid

Hallo Schreibfreudige,

lange Sätze sind schlimm. Das zumindest ist die Botschaft in meinen Workshops zum Schreiben im Beruf. Texte, die schnell gelesen werden, brauchen kurze, prägnante Aussagen.

Auf der anderen Seite aber, in der Literatur, beim "Genusslesen", kann es sie durchaus geben, die langen und schönen Sätze. Die wir zwei oder drei oder vier Mal lesen, bis wir sie ganz erfassen. Sie verlangsamen das Erzähltempo und als erster Satz eines Romans oder einer Erzählung lassen sie uns auf eine ganz besondere Weise hineingleiten in ein Buch.

Deshalb hier und heute eine kleine – und ganz subjektive – Auswahl von langen Sätzen.

In der Literatur geht’s auch länger:

a) Mal schnell, mal langsam. Aus "Die schösten Wanderungen in der Mark Brandenburg" von Theodor Fontane

„Die Schweize werden immer kleiner. Der Entdeckung der sächsischen Schweiz ist die der märkischen Schweiz auf dem Fuße gefolgt, und bei dem vorherrschenden Hange, immer mehr zu lokalisieren, sehen wir die Tage herannahen, wo wir in unserer Mark, also in dem vielleicht unschweizerischsten Lande der Welt, wenigstens ebenso viele Schweize besitzen werden, wie das alte, etwas missbräuchlich behandelte Original Kantone besitzt.“

b) Eine Erinnerung wie ein Film. Aus "Der Report der Magd" von Margaret Atwood

„Sie ist zu jung, es ist zu spät, wir geraten auseinander, meine Arme werden festgehalten, und die Ränder werden schwarz, und nichts ist mehr da, nur ein kleines Fenster, ein sehr kleines Fenster, wie das falsche Ende eines Fernrohrs, wie das Fensterchen auf einem Adventskalender, einem alten, Nacht und Eis draußen, und drinnen eine Kerze, ein strahlender Baum, eine Familie, ich höre sogar die Glocken, Schlittenglöckchen aus dem Radio, alte Musik, aber durch dieses Fenster sehe ich klein, aber sehr deutlich, sehe ich sie, wie sie sich von mir entfernt, zwischen den Bäumen hindurch, die sich schon rot und gelb färben, wie sie die Arme nach mir ausstreckt, während sie fortgetragen wird.“

c) Ein gedanklicher Einschub - in 95! von 144 Wörtern. Aus „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen

„Er hatte Zeit für einen subversiven Gedanken über die Nordic-Pleasurelines-Taschen seiner Eltern – entweder die Mitarbeiter von Nordic Pleasurelines verschickten solche Taschen an jeden, der eine Kreuzfahrt bei ihnen buchte, als zynisches Mittel einer wohlfeil wandelnden Reklame, als praktisches Mittel der Kennzeichnung von Kreuzfahrtteilnehmern, damit sie in den Häfen leichter zu handhaben waren, oder als günstiges Mittel zur Bildung von Teamgeist, oder aber Enid und Alfred hatten die Taschen von einer früheren Nordic-Pleasureline-Kreuzfahrt extra aufbewahrt und aus einem irregeleiteten Gefühl der Loyalität beschlossen, sie bei ihrer bevorstehenden Kreuzfahrt noch einmal zu tragen; so oder so war Chip entsetzt, wie bereitwillig seine Eltern sich zu Vektoren der Firmenwerbung machten -, bevor er die Taschen selber schulterte und es auf sich nahm, den La Guardia Airport und New York City und sein Leben und seine Kleidung und seinen Körper mit den enttäuschten Augen seiner Eltern zu betrachten.“

Wort für Wort sind sie gebaut, solche Sätze. Was sie zu etwas Besonderem macht, das sich im langsamen Lesen genießen lässt. Vielleicht ist bei dir im Sommer ja auch wieder Zeit  fürs Genusslesen – oder „Slow Reading“? Ich wünsche es dir.

Und jetzt auf jeden Fall erst einmal ein schönes Pfingstwochenende, herzliche Grüße

Sigrid

Ein Zufall oder es lag am Ort bei der ersten BIOgrafieGESCHICHTEN-Werkstatt am 24. März: Jede der Mitschreiberinnen hatte auch eine Berliner Großmutter „dabei“.

Sich weitere Details ins Gedächtnis zu rufen, das gelingt bei dieser Schreibwerkstatt nicht nur über das eigene Erinnern, sondern auch über die Geschichten der anderen. Wer bei den nächsten Malen im Kunstgewerbehaus Berlin-Zehlendorf mitschreiben möchte, die weiteren Termine folgen bald, am 28. April „Von Häusern und Orten“ und am 12. Mai „Ausflüge in die Kindheit“.

Autobiografisches Schreiben – warum und wie:

a) Sich erinnern – in jedem Alter
Manchmal sind es einschneidende Ereignisse, die Menschen zum Schreiben über das eigene Leben bringen. Oder das Gefühl, besser jetzt anzufangen, um noch ihn oder sie aus der Familie befragen zu können. Oder der Wunsch, zu einem bestimmen Familienfest Erlebnisse aus dem eigenen Leben für die Jüngeren aufzuschreiben. Alles gute Anlässe. Aus meiner Sicht passt es damit aber eigentlich immer und auch für sich selbst. Weil das Erinnern und Aufschreiben uns die Zusammenhänge in unserem Leben zeigen kann. Und weil es glücklich machen kann, Erlebtes und Gefühltes zum Ausdruck zu bringen und in Worte zu fassen.

b) Wie ist es mit den Fakten?
Du fängst an zu schreiben, erinnerst dich an weitere Details und merkst, dass dir doch noch einiges an Fakten fehlt. War das in diesem oder jenem Jahr? Wie hieß dieser Cousin deiner Großmutter noch? Oder das Mädchen, das in der Schule neben dir saß? Wichtig: So lange du im Schreiben bist, ist das völlig egal. Setze ein X oder Auslassungspunkte, aber schreibe erst einmal weiter.

Auch anschließend gilt allerdings, dass du vermutlich nicht alle Fakten herausfinden kannst, die dich interessieren. Du als Schreibende entscheidest, ob du bestimmte Punkte deshalb ganz herauslässt oder dort so allgemein bleibst, dass die fehlenden Fakten nicht ins Gewicht fallen.  

c) Für sich Sorge tragen.
Vergessen und erinnern, beides gehört zusammen. Je nachdem, wie nah uns ein Ereignis geht, welche Ressourcen wir in dieser Situation zur Verfügung haben, bleibt es uns gut im Gedächtnis oder wir nehmen erst einmal Abstand. Das autobiografische Schreiben birgt Schätze. Gehe auf deiner Entdeckungsreise allerdings sorgsam mit dir um und schreibe lieber einmal mehr zwischendurch auch dazu, wie es dir mit deinem Erinnern gerade geht.

Und wenn du doch lieber erfinden als dich erinnern möchtest (oder beides), dann empfehle ich auch gern meine nächste Postkartengeschichten-Werkstatt in Caputh am 10. Juni 2017.

Nun aber vor allem anderen ein sehr schönes Osterwochenende für dich,
herzliche Grüße von
Sigrid

Morgen ist es soweit. Mit dem Thema „Schreibstimme entwickeln“ bin ich am 8. März 2017 um 17:30 Uhr zum Vortrag in der Berliner Urania.

Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben ihren eigenen Ton. Und manch eine oder einen lesen wir gar nicht nur der Geschichten wegen, die sie erzählen, sondern weil wir diese Schreibstimme einfach besonders gern „hören“. 

Erkennst du die Schreibstimme dahinter? Weil morgen Frauentag ist (den es übrigens seit 1911 gibt), sind es vier Autorinnen, die es in dieser Sprachlust herauszufinden gilt. Und die Auflösung ... findest du ganz unten. 


Wer hat das geschrieben? Ein literarisches Schreibstimmenrätsel:

a) Ihr einziges Kinderbuch und doch das meistbekannte ihrer Werke
Der Junge meinte, er habe seine Mutter sich noch nie so schnell bewegen sehen. In einem Nu war sie bei dem Wandgesims, nahm Luthers Postille herunter und legte sie auf den Tisch am Fenster, die Predigt des Tages aufgeschlagen.

b) Diese Autorin hat ihre ganz eigene Grammatik.
„Das Kind hat zwei Großmütter. Die eine kommt am Abend mit ihrer Liebe ans Bett, und das Kind sieht zur weißen Zimmerdecke, weil sie gleich beten wird. Die andere kommt am Abend mit ihrer Liebe ans Bett, und das Kind schaut ihre dunklen Augen an, weil sie gleich singen wird.“

c) Der Verfassername auf ihren Werken: „by a lady“
„Zwei Leute können sich noch so gut gekannt haben, können noch so viel miteinander gemein gehabt haben, auf das Glücklichwerden hat das nicht den geringsten Einfluß. Der eine oder andere von ihnen wird sich immer genügend verändern, um beiden ihr Teil Kummer und Ärger zu sichern.“

d) Geschliffen, präzise, ohen Schnörkel
„Die Pause war eine Französin mit schlaffem, aber glänzendem braunem Haar. Sie hatte einen signifikanten Busen, der echt, nicht künstlich war, eine schmale Rechteckbrille und einen exzellenten Verstand.“

Und ... für alles eine Ahnung? Unten im Newsletter stehen die Namen und Werke der Autorinnen. Vielleicht hast du die jeweilige Autorin auch  nicht nur an ihrer Schreibstimme, sondern an ihrem Sujet und am Stil ihrer Zeit erkannt. Das lässt sich gar nicht so sehr voneinander trennen.

Herzlich grüßt dich

Sigrid

Hallo in die Leserunde,

ob Roman, Kinderbuch oder Gedichtband – ein Buch kann Freund und Helfer in der Not sein. Diese Erfahrung haben bestimmt viele schon gemacht. Und auch im Schreiben lässt sich Unterstützung erfahren. In der Klarheit, die uns das Fassen von Gedanken in Worte bringen kann. In der Erleichterung, Schwieriges auf dem Papier loszulassen. In der Freude, den Schatz der gefundenen Worte vor sich zu sehen, ihn sich und vielleicht auch anderen vorlesen zu können.

Deshalb in diesem Newsletter eine Lese- und eine Schreibanregung:

1. Tom Sawyer, Nesthäkchen oder Pippi?

Vielleicht hast du deine frühen Bücher noch und auch in letzter Zeit darin gelesen. Aber wie wäre es, wenn du dich mal auf die Suche machst nach einem Kinderbuch, an das du dich nur noch so ungefähr erinnerst? So bin ich vor einiger Zeit in der Bibliothek bei den Gulla-Romanen fündig geworden. Einer Reihe von 6 Jugendbüchern von Martha Sandwall-Bergström, die im Schweden des 19. Jahrhunderts spielt. Beim Lesen bin ich wieder sehr tief eingetaucht in diese Welt und habe ein bisschen mehr darüber verstanden, was das wohl mit mir als 10-jähriger Leserin gemacht haben mag.

2. Schreibzeitreisen – zurück oder nach vorn

Wo wir schon beim Zeitreisen sind: Schreib doch mal an ein früheres Ich von dir oder an ein späteres. Aus der Sicht deines Jugendlichen an dich als Erwachsene. Oder aus einem späteren – vielleicht entspannteren – Ich an dich in einer heutigen eventuell schwierigen Situation. Was haben deine anderen Ichs dir zu raten, wo können sie mit etwas mehr Abstand auf die Dinge blicken und damit neue Perspektiven eröffnen?

Die Schreibwerkstätten 2017 sind jetzt online. Für die BIOgrafieGeschichten habe ich einen wunderbaren Veranstaltungsort gefunden, den Werkraum im Kunstgewerbehaus Berlin-Zehlendorf. Ein Haus voller Geschichten, in das wir noch ein paar mehr bringen werden.

Alles Gute für dich in diesem Jahr,
herzliche Grüße

„Kurze Geschichten“ – so nennt Elke Heidenreich ihr neues Buch „Alles kein Zufall“ im Untertitel. Ich gestehe: Obwohl ich selbst Kürzest- und Kurzgeschichten schreibe, greife ich als Leserin oft eher zum Roman. „Alles kein Zufall“ ist beides. Viele kurze Episoden, manche nur einige Sätze lang, fügen sich darin zu einem Lebensroman.

Irgendwie auch kein Zufall, dass dieses Buch mir gerade jetzt unterkommt. Denn mein Thema für 2017 ist es, wie aus Kürzestgeschichten mehr werden kann.

Kürzestgeschichten und mehr – Schreibwerkstätten 2017

1. BIOgrafieGESCHICHTEN – Schreibabende in Potsdam, Berlin und Caputh
Von Januar bis Mai und auch im Herbst werde ich regelmäßig Schreibabende zum biografischen Schreiben anbieten. Das Besondere daran: Wir werden uns dem Erinnerungs-  oder Biografienschreiben von der Kürzestgeschichte her nähern. Gut für alle, die sich gern erst einmal an der kurzen Form ausprobieren möchten. Handwerklich gehen wir auf alles ein, was in kurzen und längeren Texten wichtig ist: Perspektiven, Figuren, Dialoge, Schauplätze und Spannungsbogen.

2. Geschichten knüpfen – ein Schreibwochenende im Mai in Mecklenburg

In dieser Schreibwerkstatt geht’s um erfundene Geschichten – und das große Ganze hinter dem ganz Kurzen. Wie lassen sich Kürzestgeschichten über Figuren und Schauplätze zu längeren Texten verweben? Wir nehmen uns Zeit zum Entwickeln, Schreiben, Lesen und Reden über die Verbindungen hinter Stoffen und Ideen.

3. Kürzestgeschichten, die auf Postkarten passen

Wer das Schreiben von Short-Short-Stories oder Mikrogeschichten oder Miniaturprosa erst einmal kennenlernen und möglichst viele schreiben möchte, der ist hier richtig. Wir setzen verschiedene Methoden des kreativen Schreibens ein, die sich besonders für Kürzestgeschichten eignen – sowohl in der Schreibwerkstatt als auch an jedem anderen Tag des Jahres, in der S-Bahn, auf dem Weg zur Arbeit, im Café.

Neue Advents-, Weihnachts- und Wintergeschichten lese ich übrigens auch wieder, unter anderem am 19. November 2016 und am 14. Januar 2017, jeweils um 17 Uhr, im Café Barock in Caputh

Herzliche Grüße

Sigrid

Liebe Schreibfreundinnen, liebe Schreibfreunde,

der 1.9. als das neue Neujahr? Das ist gar nicht so neu. Ob Fitnesskurse, Yogastudios oder eben Volkshochschulen nach den Sommerferien ist eigentlich eine viel bessere Zeit, um etwas Neues anzufangen als mitten im Winter. 

Wie wäre es also damit, auch beim Schreiben noch ganz andere Seiten aufzuschlagen?

Von Hamburg bis Singen, von Bielefeld bis Zeitz - aktuelle Angebote zum kreativen Schreiben an Volkshochschulen:
  

1. Vom Gedicht bis zum Thriller - mal WAS anderes schreiben.

Volle Auswahl bei den Textsorten. Unter anderem: Lyrik schreiben z.B. an der VHS Berlin-Lichtenberg. Comedy writing und Song texten - VHS Berlin-Mitte. Drehbuchschreiben -  VHS Braunschweig. Fantastisch schreiben und Erste Schritte zum Roman - VHS Stuttgart. Thriller schreiben - VHS Berlin Steglitz-Schöneberg. Kurzkrimis schreiben, z.B. an den VHS Hamburg und Bielefeld.

2. Selbst-Coaching mit Schreiben

Mehr über sich selbst herausfinden und dafür das Schreiben als Instrument nutzen? Auch dazu gibt es einige Angebote an den Volkshochschulen. Zum Beispiel: Schreiben für die Seele – VHS Hamburg. Sich selbst beim Wort nehmen – VHS Berlin-Neukölln. Kreatives Schreiben als Selbst-Coaching-Methode – VHS Konstanz.

3. Kreatives Schreiben + X – die Kombiangebote

Ob Visuelles, Hörbares, Sütterlinschrift oder andere Sprachen: Manch ein Kurs hat noch ein Plus zu bieten zur Schreibwerkstatt. Zum Beispiel Kreatives Schreiben und Illustrieren an der VHS Zeitz. Projekt Hörbuch – VHS Oberursel. Lesen und Schreiben wie die Großeltern – VHS Singen. Creative Writing in English – VHS Stuttgart.

Nur einige Angebote von vielen, die ich zum größten Teil auf www.volkshochschule.de recherchiert habe. Hier wirst du fündig, wenn du nach einem speziellen Thema suchst und bereit bist, ein wenig zu fahren. Der Nachteil: Du findest eventuell nicht alle Angebote aus deiner Region. Ganz sicher geht also, wer beides nutzt, die Informationsseiten (und Bücher!) deiner VHS und die überregionalen Angebote.

Der Sommer geht irgendwann vorbei? Stimmt. Aber damit kann auch dein neues „Lernjahr“ losgehen. Ob an der Volkshochschule oder anderswo.

Dabei gutes Gelingen und viel Freude wünscht

Sigrid

Liebe Sprachfreudige,

bugsieren – das Wort ist mir vertraut. Trotzdem ist mir erst letztens beim Lesen eines Romans klar geworden, dass da der BUG des Schiffes drinsteckt. Beim Bugsieren ging es ursprünglich darum, ein Schiff (am Bug) in den Schlepptau nehmen und an einen anderen Ort zu bringen.

Wenn wir Worte anders als in ihrer ursprünglichen Bedeutung verwenden, verblassen oft auch einzelne Bestandteile. Anders wäre es, wenn ich es so schreibe: BUGsieren. In anderer Typografie kommt uns ein vertrautes Wort fremd vor. Das wiederum kann durchaus die Wirkung verstärken, weil wir es wieder bewusst wahr-nehm-en.


Verstecktes sehen können? Die Schreibweise macht´s:  
  

1. gehirn-gerecht, merk-würdig, de-kodieren – der Bindestrich nach Vera Birkenbihl

Der Bindestrich eine Erfindung der Management-Trainerin Vera Birkenbihl? Nicht ganz. Allerdings ist sie dafür berühmt, in ihren Büchern immer wieder den Bindestrich in Wörter gesetzt zu haben, wo er laut Duden nicht hingehört.

Dabei ging es ihr vor allem um die prägnantere Wirkung der ihr besonders wichtigen Bestandteile eines Wortes. Zum Beispiel bei „an-Schau-lich“ oder „psycho-logisch“. Eines ihrer bekanntesten Bücher: „Stroh im Kopf. Vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer.“

2. Anders geschrieben = anders gelesen, hier: die GROSSSchreibung Ein Wort bewusster oder anders wahrnehmen, das kann die eine Seite sein. Die andere: Einfach mal wieder mit Sprache spielen. Manchmal entsteht ein Wortwitz dabei, der uns zuvor gar nicht bewusst war. Oder wir entdecken SINNlichkeit in Wörtern, die wir eher abstrakt einsetzen, z.B. BeGreifen, EntDecken, ErFahren, UmGehen.

3. Welcher Wortteil wiegt mehr? Fett oder anders gedruckt.


Die Typografie macht´s möglich, du kannst auch einzelne Wortteile fett auszeichnen. Oder farbig. Wenn du deinen Text für Leser schreibst: Überstrapaziere die Augenmuskeln des anderen nicht, in dem du alle Möglichkeiten gleichzeitig nutzt.  Außer es geht genau darum – so wie in dieser SprachLust.


Vielleicht findest du noch ganz andere Ideen für deine persönliche WortART? Dann einfach ausprobieren! Lass den Blick schweifen – über die Zeitung oder das Buch, das du liest, die Plakatwände, an denen du vorbeifährst. Da siehst du bestimmt jede Menge Wörter, aus denen sich mehr – oder anderes – herausholen lässt.

Viel Vergnügen dabei und wunderbare sommerFRISCHE Ferien (wenn du sie hast), ansonsten die SommerAbende lau und lang wünscht

Sigrid

Liebe Schreibfreundinnen, liebe Schreibfreunde,

Gutes Schreiben ist wie Schwimmen unter Wasser bei angehaltenem Atem.“, so hat es der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald einmal formuliert. Aber vielleicht ist Schreiben für dich ja ganz anders?

Ob der Vergleich mit Sport oder Musik (tägliches Training!) oder das Bild vom Text(-prozess) als Puzzle, Skulptur oder Gemälde – das metaphorische oder vergleichende Denken zeigt uns den eigenen Schreibprozess in einem anderen Licht und kann zu neuen Erkenntnissen führen.

Wie das bildhafte Denken dir beim Schreiben helfen kann:  
  

1. Deine Liste: Schreiben ist (für mich) wie ...

Beim Schreiben komme ich manchmal nur im Schneckentempo voran. Der rote Faden ist mir beim Schreiben wichtig. Mein Text fügt sich nach und nach zusammen wie ein Puzzle. Für jede und jeden gibt es beim Schreiben andere Bilder und Vergleiche.
 
Ein Tipp, um deine eigenen Bilder zu erforschen: Lege im ersten Schritt eine Liste an und setze immer wieder neu an mit:  „Schreiben ist (für mich) wie ...“ Und wenn dir andere Lösungen einfallen, die nicht mit „Schreiben ist wie ...“ beginnen, notieren sie trotzdem gleich.

2. Warum ist das so? Und: Wie fühlt sich das genau an?

Hat die (Schreib-)Schnecke ihr Haus dabei? Wie dick ist denn der rote Faden? Solche Fragen wirken zunächst komisch. Der „rote Faden“ zum Beispiel ist als Bild so etabliert, dass wir ihn nicht mehr hinterfragen. Aber gerade das kann uns weiterbringen - auch bei scheinbar selbstverständlichen Bildern.

Deshalb empfehle ich, mit einem Free Writing weiterzumachen. Also frei und unzensiert dazu zu schreiben, warum Schreiben für dich gerade so ist, wie du es auf deiner Liste notiert hast.

3. Vom roten zum gelben Faden
In diesem Schritt wandelst du dein Bild ganz bewusst ab: Was passiert, wenn der rote Faden gar nicht rot ist, sondern gelb? Oder gelb-blau-kariert? Was passiert mit der Schreib-Schnecke, wenn sie plötzlich sehr schnell wird? Du kannst wieder das Schreiben nutzen, um die Veränderungen zu erforschen. Oder du zeichnest oder malst dazu. Auch der Medienwechsel kann zu weiteren neuen Sichtweisen führen.

4. Ich als Faden sage es mal so...
Immer wieder eine starke Methode: die Personifikation. Schlüpfe in ein Objekt in deinem Bild hinein. Bei meinen Beispielen könnten es die Schnecke, das Haus, der Faden, ein Puzzleteil oder etwas anderes sein. Wie schaust du aus dieser Perspektive auf den Schreibprozess? Was möchtest du der Welt mitteilen, worüber beklagst du dich, was schätzt du?

Gute Inspirationen mit diesem Impuls wünscht dir

Sigrid

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