Sigrid Varduhn
Autorin | Schreibcoach | Erzählerin

Sommerzeit ist Lesezeit – ob in der Hängematte oder auf der Wiese, ob im Urlaub oder auf dem Balkon. Im Sommer-Newsletter lege ich dir einige Märchenromane ans Herz, die für mich besonders sind, weil sie auf ganz unterschiedliche Weise aus der Welt der Märchen inspiriert sind.

Märchen sind Ur-Geschichten und in vielen anderen Geschichten, Romanen und auch Filmen steckt etwas von ihnen drin. Das Märchenmotiv oder eine Figur kann dabei auf den ersten Blick erkennbar sein in dem neuen Stoff oder sich eher ein wenig im Hintergrund halten. Also viel Vergnügen mit ...

4 „märchenhafte“ Lesetipps:

  1. „Seeherzen“ von Margo Lanagan
    Felsen, Klippen, Nebel, Gischt – in solch einer Landschaft fällt das Gestaltwandeln nicht schwer. In schottischen und irischen Märchen sind Seehunde dafür bekannt, sich in Menschen verwandeln zu können und umgekehrt. Deshalb ist es für Miskaella, eine eher gemiedene Bewohnerin von Rock Island, ein Leichtes, Seehundweibchen aus dem Meer zu locken und die Männer des Dorfes mit ihnen zu verheiraten. Bis die Frauen eines Tages ins Meer zurückkehren. Ein Roman voll magischer Stimmung.
  2. „Muschelstrand“ von Marie Hermanson
    Mit diesem Roman sind wir in Schweden. Ulrika, die Hauptfigur, ist Ethnologin und forscht zur „Bergentrückung“, also dazu, wie in Sagen und Märchen immer wieder Menschen auf ungeklärte Weise in Bergen verschwinden und manchmal Jahre später wieder hervorkommen. Dabei hat Ulrika selbst erlebt, wie an einem Mittsommerabend ein kleines Mädchen, die Adoptivtochter einer befreundeten Familie,  auf einer Schäreninsel auf ungeklärte Weise verschwunden und später wieder aufgetaucht ist. So verweben sich Märchenmotive und reale Handlung. Ein sehr berührendes Buch, das ich seit Jahren immer wieder gern zur Hand nehme. 
  3. „Machandel“ von Regina Scheer
    Im Märchen „Von dem Machandelboom“ sammelt Marlenchen die Knochen ihres Bruders und legt sie unter den Machandel- oder auch Wacholderbaum. Im Roman „Machandel“ von Regina Scheer zieht Clara mit ihren Töchtern und ihrem Mann in den 80iger Jahren ins mecklenburgische Dorf Machandel, um an ihrer Dissertation über das Märchen vom Machandelbaum zu arbeiten. Doch sie deckt auch immer mehr von der Geschichte ihrer Familie auf und wie es dazu kam, dass ihr Bruder Jan mit dem Vater gebrochen hat und 1985 in den Westen ausgereist ist. Das Märchenmotiv legt sich um die bewegende Geschichte einer Familie von den 30igern bis in die 90iger Jahre des 20. Jahrhunderts. 
  4. „Krabat“ von Otfried Preußler
    Auch die Oberlausitz mit ihren Wäldern, Flüssen und Mühlen ist Märchen- und Sagenland. Schon 1971 erschienen – ein Klassiker und zeitlos: der (Jugend-)Roman „Krabat“ von Otfried Preußler. Von Dorf zu Dorf wandert Krabat zusammen mit zwei wendischen Jungen, um zu singen und dafür Wurst und Speck, Äpfel und Nüsse zu erhalten. Doch merkwürdige Träume von Raben ziehen ihn zur Mühle von Schwarzkollm im Hoyerswerdaer Forst. Inspiriert ist die Geschichte von der sorbischen Krabat-Sage. 

Ist etwas für dich dabei? Das würde mich freuen. Und vielleicht fallen dir auch andere Lieblingsromane ein, in die du gern wieder hineinlesen möchtest. Oder du nimmst dir eine Märchensammlung zur Hand. 

Einen schönen und erholsamen (Lese-)Sommer wünscht dir

Sigrid

Seit fast 3 Jahren begleitet mich ein selbst gemachtes DIN-A5-Heft. Es hat 150 Seiten, eine pro Woche. In ihm notiere ich wöchentlich, wie ich mit meinen Schreibprojekten vorankomme. Eigentlich hatte ich es für ein einzelnes größeres Vorhaben angelegt, an dem ich unbedingt dranbleiben wollte. Was soll ich sagen: Das Projekt hat sich verändert, das Heft ist geblieben.

Gerade geht es nicht so voran? Dann genügt mir ein kurzes Hineinblättern, um zu sehen, dass ich solche Phasen auch bisher erlebt und wie ich sie überwunden habe. Das Schreibjournal – oder Schreibtagebuch –  ist Dokumentation und Reflexion, Selbstcoaching und Motivation. Wie eine Freundin fragt es mich zu einem festgelegten Zeitpunkt danach, wie ich vorankomme und hilft mir so, an meinen Zielen dranzubleiben.

Wäre das auch etwas für dich? Hier stelle ich dir zwei Möglichkeiten vor:

Zwei Varianten eines Schreibjournals:

  1. Für das einzelne Projekt
    Ob Roman oder Sachbuch, Kurzgeschichten oder Gedichtband – das tägliche oder wöchentliche Notieren von Schreiberfahrungen, Herausforderungen und Lösungsansätzen hilft dabei, den Projektfortschritt im Blick zu behalten. Wie viele „Meilen“ hast du geschafft von deinem Gesamtvorhaben, wo gab es Umwege und was konntest du dabei Neues und Wichtiges entdecken?

    Manchmal notiere ich mehr, manchmal weniger. In Woche 37 steht bei mir da nur „Einfach weiterschreiben“. So ist ein Schreibjournal auch eine Art Versprechen sich selbst gegenüber, am Schreiben dranzubleiben. Egal, wie gut oder schwierig es gerade läuft
  2. Als dauerhafter Schreibkalender
    Gerade kein spezielles Schreibvorhaben im Blick, das du weiterbringen möchtest? Ein Schreibbegleiter – oder Arbeitsjournal – kann sich trotzdem lohnen. Dann ist es eben dein Schreiben ganz allgemein (oder mehrere Projekte), zu denen du dir Notizen machst, täglich, wöchentlich oder monatlich. Es lässt sich auf Papier oder online anlegen, wobei ich die Papiervariante bevorzuge, um darin herumzublättern. Und es eignet sich auch fürs visuelle Notieren, für Zeichnungen und farbliche Hervorhebungen. 

Neugierig geworden? Dann probiere es doch einfach einmal aus mit einem Schreibjournal.

Herzliche Grüße sendet

Sigrid

Jemand hat mir einmal erzählt, dass jeder Schreibende ein Thema hat, das sich durchzieht durch alles, was sie oder er schreibt. Es kann Liebe oder Tod sein, Betrug oder Zugehörigkeit, Heimat oder Hoffnung oder Exil. Ich denke gern, dass mein Thema die Liebe ist und genauer die Liebe für die glitzernde Welt des nicht-menschlichen Lebens um uns herum.

So schreibt die britische Autorin Helen McDonald im Vorwort ihres neuen Buches „Vesper Flights“. Es umfasst eine Sammlung ihrer Essays über den Menschen und sein Verhältnis zur Natur. In ihrem Buch nimmt sie mit auf ihren Streifzügen durch die „britische Wildnis“, lässt uns mit ihr den Schwänen auf der Themse begegnen und sie auf der Suche nach seltenen Pirolen begleiten. Da das Buch erst im Sommer auf Deutsch erscheint – unter dem Titel „Abendflüge“ – habe ich den Auszug für diesen Newsletter aus dem Englischen selbst übersetzt.

Helen McDonald ist ein „Nature Writer“, Johann Wolfgang von Goethe war es, der britische Dichter William Wordsworth auch und Peter Wohlleben ist es mit seinem „Geheimen Leben der Bäume“. Auch wenn es das Etikett „Nature Writing“ erst wenige Jahre gibt,  ist es natürlich nicht neu, in und über die Natur zu schreiben und der nicht-menschlichen Welt dabei auch die Hauptrolle zukommen zu lassen.

Für die einen reicht das Genre bis zu literarischen  Sachbüchern wie „Das Evangelium der Aale“ von Patrick Svensson oder „Wie ich ein Baum wurde“ von Sumana Roy. Für die anderen gehören auch Romane wie „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens dazu, in denen die Natur zwar eine wichtige, aber doch eben nicht die Hauptrolle spielt. Wo ein Genre so breit ist, kann für jeden Lesegeschmack etwas dabei sein, aber natürlich auch zum Schreiben.

Deshalb habe ich zum Frühlingsanfang  im März diesen Schreibimpuls ausgewählt:

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In der Hauptrolle: die Natur
Wie wäre es mit einem Perspektivwechsel? Kaum eine andere Art von Schreibanregungen wirkt aus meiner Sicht so inspirierend. Sobald wir in eine andere Perspektive hineinschlüpfen, nehmen wir anders und anderes wahr und auch unsere Erzählstimme kann sich deutlich ändern. Diesmal die Hauptperson: die Natur.

Wähle ein „Objekt“ deines Interesses aus und mache es zum Subjekt: den Baum am Wegesrand, ein weites Feld, ein Insekt, das dir über den Finger krabbelt. Schreibe aus seiner Perspektive, was es der Welt zu sagen hat. 

Wie wirkt die Welt von dort aus? Wie sieht sie aus, wie hört und fühlt sie sich an, wie riecht und schmeckt sie? Gibt es Sinneseindrücke, die dein „Objekt“ viel schärfer oder ganz anders wahrnimmt, als wir es als Menschen gewohnt sind? Am besten schreibst du deinen Text vor Ort – so bist du möglichst nah dran an der anderen Perspektive. Und wer weiß, vielleicht entsteht aus diesem „nature writing“ ja auch ein neues Thema für dein Schreiben.

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Langsam zeigt sich schon der Frühling (oder wechselt sich zumindest gerade mit dem Winter ab). Wenn es dich also in den nächsten Tagen wieder nach draußen zieht,  wünsche ich dir eine gute Zeit in und mit der Natur – ob schreibend oder auch nicht und auch ob bei dir die Liebe zur Natur das Hauptthema deines Schreibens ist oder etwas anderes.

Herzliche Grüße

Sigrid

Gerade hat das neue Jahr erst angefangen und es ist auch noch ein besonderes, auf dem viele Hoffnungen liegen. Ich wünsche dir, dass es ein gutes Jahr für dich wird und du das Beste aus dem machen kannst, was gerade ist.

Vielleicht hat 2020 von dir im Rückblick auch eine Art Titel oder ein Motto bekommen. Um das zusammenzufassen, was dir wichtig war oder was du erlebt hast. Wie Geschichten zu Titeln kommen können, darum geht es in diesem Newsletter. Lass dich inspirieren bei der Titelfindung, egal ob du gerade auf der Suche nach einem Titel für eine Geschichte bist oder einfach nur, um mal genauer auf die „Überschrift“ zu achten bei den Büchern oder Geschichten, die du zurzeit liest.

3 Wege, wie Geschichten ihre Titel finden:

  1. Wie heißen andere?
    Ein uralter Trick, der nach „abgucken“ klingt und genau das auch ist – und dabei sehr sinnvoll. Man kann es natürlich einfach auch nennen: sich von der Mach-Art anderer Titel inspirieren lassen. 

    Ein Schreibprojekt, das ich selbst gerade zu Ende führe, sind 24 Dezembergeschichten. Sie haben natürlich auch alle einen Titel gebraucht. Beim „mich von anderen inspirieren lassen“, würde ich also in meinem Buchregal nach Titeln anderer Adventsgeschichten Ausschau halten. Da gibt es zum Beispiel „Die Geschichte vom Lamettabaum“ und „Als Weihnachten ausfiel“, beides Geschichten von Margret Rettich.  Schon diese kleine Auswahl kann mich inspirieren – ob ich auch einen Anfang wähle wie „Die Geschichte von ...“ oder im Titel eher das Überraschende meiner Geschichte betone wie bei „Als Weihnachten ausfiel“.

    Das Entscheidende bei dieser Methode ist, dass das „Abgucken“ oft nur den Anfang macht und danach schnell eine lange Liste mit weiteren Möglichkeiten entstehen kann.  
  2. Der eine Satz – oder: das Extrakt der Geschichte
    Für die zweite Methode bleibe ich gleich beim Buchregal stehen. Eines meiner Lieblingsbücher im letzten Jahr war der Roman „Da sind wir“ (oder im Original: „Here we are“) von Graham Swift. Der Roman beginnt im England der 40iger Jahre und handelt von einem Jungen, der Zauberer wird. An Graham Swift beeindruckt mich immer wieder, wie er eine ungeheure Spannung um einen einzigen Moment herum aufbaut, sodass dieser eine Augenblick quasi den ganzen Roman erzählt. Der Titel „Here we are“ wiederum bezieht sich auf einen Satz, den der aus den Londoner Bombennächten aufs Land verschickte Junge häufig von seiner ihm zugeneigten Pflegemutter zu hören bekommt.

    Bei dieser Titel-Methode gehst du also deine Geschichte durch und streichst Wörter oder Sätze an, die du entweder häufig verwandt hast oder die dir inhaltlich oder von der Stimmung her besonders wichtig erscheinen. Und dann schaust du, was davon sich zum Titel eignet. 
  3. Von ganz groß bis sehr konkret
    Auch diese Methode hat ihre Verwandtschaft mit den bisher genannten. Nur dass du hier nicht nach Worten oder Sätzen Ausschau hältst, sondern nach den Figuren, Schauplätzen oder Ereignissen deiner Geschichte, um damit für den Titel „zu spielen“. Dabei kannst du ein bisschen mehr in der Weitsicht bleiben oder näher herangehen und Ort, Zeitpunkt oder Figuren deiner Geschichte ganz konkret benennen.

    Eher verallgemeinernd fasst Max Frisch das zum Beispiel im Titel seiner Kurzgeschichte „Das Kaffeehaus“ oder Alice Munroe in „Hochzeit“. Ganz konkret wird es bei Edgar Allan Poe mit dem Titel „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ oder bei T.C. Boyles „Die unglückliche Mutter von Aquiles Maldonado“.

Sollte mit diesen Methoden wie so oft beim kreativen Schreiben der perfekte Titel einfach irgendwann da sein, ohne dass er genau einer von ihnen zuzuordnen ist, dann ist das durchaus gewünscht. Denn oft geht es eher um die Beschäftigung mit dem Stoff und gar nicht um die eine „richtige“ Methode.  

Für dieses besondere Jahr wünsche ich dir das Allerbeste, dass sich bald die Wogen glätten und du dorthin segeln kannst, wo du hinmöchtest. Egal ob im wörtlichen oder übertragenen Sinne.

Herzliche Grüße

Sigrid

„An einem der letzten Maitage, das Wetter war schon sommerlich, bog ein zurückgeschlagener Landauer vom Spittelmarkt her in die Kur- und dann in die Adlerstraße ein und hielt gleich danach vor einem, trotz seiner Front von nur fünf Fenstern, ziemlich ansehnlichen, im Übrigen aber altmodischen Hause, dem ein neuer, gelbbrauner Ölfarbenanstrich wohl etwas mehr Sauberkeit, aber keine Spur von gesteigerter Schönheit gegeben hatte, beinahe das Gegenteil.“ (Theodor Fontane in „Frau Jenny Treibel“)

Ich mag kurze erste Sätze und ich bewundere lange. Ob Roman, Erzählung oder Kurzgeschichte – der Einstieg in eine Geschichte gleicht dem Blick in den Flur eines Hauses oder einer Wohnung, nachdem die Tür aufgegangen ist. Wie viel ist schon zu sehen? Wie repräsentativ mag die Einrichtung sein, ist es eher liebenswürdig chaotisch oder sehr klar und aufgeräumt? In wenigen Sekunden bekommen wir einen Eindruck und werden im besten Fall hineingezogen – in die Wohnung oder ins Buch. 

Der erste Satz muss zum Rest passen – diese Regel gilt immer. Lässt uns ein erster Satz innehalten oder hechten wir gleich weiter? Der Einstieg verrät uns viel über die Dynamik eines Textes und kann uns für die Geschichte gewinnen – je nachdem, ob wir es genau so mögen oder nicht.

Wirf bei meinen folgenden Tipps und Beispielen gern auch parallel einen Blick in deine aktuelle Lektüre. Wie sieht es dort mit dem ersten Satz aus – und ist er dir aufgefallen oder hat er dich ganz unmerklich ins Buch oder die Geschichte hineingezogen?

Was erste Sätze alles können:

  1. „Ilsebill salzte nach.“
    Im Jahr 2007 veranstalteten die Initiative Deutsche Sprache und die Stiftung Lesen einen Wettbewerb für den schönsten ersten Satz. Gewonnen hat „Ilsebill salzte nach.“ von Günter Grass aus „Der Butt“. Der abrupte Einstieg lässt uns mitten hineinspringen in die Handlung und zeigt, dass es auch schon eine Geschichte vor der Geschichte gab. Auf die könnten wir genauso neugierig werden.

    Das Beispiel zeigt noch etwas: Ganz kurze erste Sätze finden sich in Romanen genauso wie eher lange in Kurzgeschichten. Das Genre sagt nichts aus über die Länge des ersten Satzes. 
  2. „Zuerst will ich von dem Raubüberfall erzählen, den meine Eltern begangen haben.“
    Der erste Satz von Richard Fords Roman „Kanada“ kommt lakonisch daher und lässt gleichzeitig Dramatisches vermuten. Beim Lesen des ersten Satzes sind wir immer eher Vermutende als Wissende. Genau das kann Spannung auslösen. Ist es ein Kind, das diese Geschichte erzählt? Und wenn ja, wie kann es den Raubüberfall seiner Eltern so „undramatisch“ sehen? Der ganze Roman kann schon vorangelegt sein in so wenigen Worten.
  3. „Drei Dinge habe ich bisher in meinem Leben gestohlen, mit acht Jahren ein Paar rosa Barbie-Stöckelschuhe, mit achtzehn ein seltsames Kunstobjekt von meiner besten Freundin, mit dreiundzwanzig einen verheirateten Mann.“
    Die Hauptfigur und ihre Motive einführen, auch das kann ein erster Satz – so wie in Doris Dörries Kurzgeschichte „Oben rechts die Sonne“. Und auch der trockene Ton der Geschichte wird hier schon greifbar. 
  4. „Am Morgen waren die Kohlen gekommen.“
    Kohlen? Wo wird denn noch mit Kohle geheizt? Oder spielt die Geschichte woanders oder in einer anderen Zeit? Hier führt der erste Satz die Fragen weiter, die schon der Titel ("Kohlen", von Judith Hermann) ausgelöst haben kann. Wenn der erste Satz etwas erzählt zu Schauplatz oder Zeit (oder entsprechende Fragen oder Vermutungen aufwirft), dann heißt das auch: Ort oder Zeit werden wichtig in dieser Geschichte.

In meinem eigenen Schreiben ist manchmal der erste Satz zu einer Geschichte als allererstes da – einfach so. Und damit auch mitunter schon fast die ganze Geschichte. Aber auch das kenne ich: Die Geschichte ist längst fertig und der Einstieg fehlt noch oder der, der da ist, funktioniert nicht. Oder ich ersetze den ersten (Ab-)Satz, von dem ich am Anfang so angetan war, nachher doch durch einen stärkeren, den ich von unten nach oben ziehe und so den Aufbau der Geschichte als Ganzes ändere.

Hast du dich bisher eher für den "Kurzer-Erstsatz-Typ" gehalten oder ausschließlich in langen ersten Sätzen geschwelgt? Probiere doch mal aus, ob da nicht noch mehr Abwechslung möglich ist.

Es grüßt herzlich im Leseherbst

Sigrid

Mark Twain soll es so gesagt haben: „Donʼt say, the old lady screamed. Bring her on and let her scream.“ Wer einen Text mit dem Feedback „Show donʼt tell“ oder „zeigen statt behaupten“ zurückbekommt, weiß oft schon, wo der Hase im Pfeffer liegt. Zu schnell erzählt, zu viel behauptet, zu viel vorausgesetzt bei den Leserinnen und Lesern, zu wenig Emotionen ausgelöst.

Aber gilt dieses „Show donʼt tell“ wirklich absolut und sind zum Beispiel Adjektive immer kritisch zu sehen? Es gibt Erzähltraditionen – zu denen auch das Märchen gehört – die vor allem auf das Berichten setzen und weniger auf das Zeigen. Und in jeder Geschichte, in jedem Roman gibt es sowohl „Show“ als auch „Tell“. Entscheidend ist die Dosis und wann was passt und vor allem, dass du das Zeigen kannst, wenn du es brauchst.  

Show donʼt tell – und wie es geht:

  1. Zeigen heißt schreiben für alle Sinne.
    Am liebsten waren Karl als Kind die großen Ferien. Jeden Tag konnte er mit seinen Freunden etwas Aufregendes unternehmen. Er hätte am liebsten das ganze Jahr über große Ferien gehabt.“ Diese Sätze bleiben zu blass, weil wir nicht erzählt bekommen, was Karl denn Aufregendes unternommen hat. Es genügen zwei, drei Beispiele von Floßfahrten über den See, von Höhlensuchgängen oder Lagerfeuern und schon bekommen wir ein Bild davon.  

    Show donʼt tell bedeutet Kopfkino und Schreiben für alle Sinne. Über das Berichten bekommen wir zwar Informationen, aber wir erleben sie nicht mit. Zeigen heißt, den Lesenden das Gefühl zu geben, dabei zu sein, die Situation emotional mitzuerleben.
  2. Zeigen heißt konkret werden.Die Nacht war kalt“ oder „In der Luft lag der Geruch nach Schnee“? Welcher Satz für deine Geschichte besser passt, hängt auch damit zusammen, welche Funktion er hat, ob du damit z.B. „nur“ eine Szene einleiten oder einen ganz bestimmten Schauplatz zeigen willst.

    Mit „Die Nacht war kalt“ präsentiert sich dem Lesenden der Standardtyp einer kalten Nacht. Aber es kann natürlich hunderte verschiedene kalte Nächte geben, die alle auf ihrer ganz eigene Art kalt sind. Zum Beispiel so, dass einem die Finger taub werden trotz Handschuhen. Oder so, dass auf den Straßen einer Großstadt keine Menschen mehr unterwegs sind. Die Besonderheit einer kalten Nacht bekommst du nur übers Zeigen hin. Und dadurch wirkt das, was du zeigst, einzigartiger und oft intensiver auf die Leserinnen und Leser.

    Teste es selbst: Wenn du beim Schreiben das Gefühl hast, schnell über die Handlung oder die Schauplätze hinweg zu schreiben, die Figuren zu stereotyp anzulegen, kann es Zeit zum Zeigen werden. Anschließend vergleichst du beide Versionen und schaust, wie es besser für dich passt. Ein ganz schöner Aufwand? Stimmt. Manchmal ist das Problem nämlich einfach nur, dass wir uns zu wenig Zeit zum „Ausmalen“ genommen haben.
  3. Show donʼt tell – das Elfchen
    Und nun noch ein kurzer Schreibimpuls fürs Zeigen statt behaupten. So kannst du dem auf die Spur kommen, was sich z.B. an einer Figur oder einem Schauplatz zeigen lässt. Dafür habe ich das im kreativen Schreiben beliebte „Elfchen“-Gedicht etwas abgewandelt:

    1. Zeile: 1 Wort – das Adjektiv zu Ihrer Figur, Ihrem Schauplatz oder ... Beispiel: Schüchtern
    2. Zeile: 2 Wörter – die Figur oder den Schauplatz benennen. Beispiel: der Erik
    3. Zeile: 3 Wörter – Worin zeigt sich diese Eigenschaft? Beispiel: Sagt kein Wort
    4. Zeile: 4 Wörter – Frei weitererzählen. Beispiel: Auch nicht vorm Altar
    5. Zeile: 1 Wort – ein Fazit oder Ausruf. Beispiel: Schade

So sieht mein Elfchen als Ganzes aus: „Schüchtern, der Erik. Sagt kein Wort. Auch nicht vorm Altar. Schade.“ Und schon hätte ich eine Idee (von vielen möglichen), wie sich Eriks Schüchternheit zeigen lässt. Probiere es einfach aus.

Für mich ist Show dontʼt tell eben kein Dogma, sondern einfach ein Handwerkszeug, das sich trainieren lässt. So wie es auch ein Handwerk ist, Sätze kürzen zu können (ohne dass jeder Satz kurz sein muss).

Schau doch auch bei deiner aktuellen Lektüre, wie dort mit „Show donʼt tell“ umgegangen wird.  Viel Vergnügen bei der Recherche und beim Schreiben wünscht dir

Sigrid

Liebe Schreibfreundin, lieber Schreibfreund,

über die „Morgenseiten“ und den „Künstlertreff“ als den beiden zentralen Methoden aus „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron habe ich schon einige Male geschrieben. In diesem April greife ich sie wieder auf, weil sich beide Ansätze gerade in  Krisenzeiten bewähren. Das kann eine persönliche Krise sein oder eine globale wie die jetzige, in der sich vieles, was wir als Normalität erlebt haben, von einem Tag auf den anderen ändert.

Morgenseiten und Künstlertreff helfen mir, mich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Und mich bei all den Entwicklungen und Nachrichten um mich herum nicht zu sehr „zerfleddern“ zu lassen. Ein dritter Alltagshelfer ist für mich im vorigen Jahr noch hinzugekommen, das Collage Dream Writing von Johanna Vedral vom writer’s studio in Wien. Wie wäre es also gerade jetzt auch für dich mit ...

... 3 Methoden, um in schwierigen Zeiten wieder zu sich zu kommen:

  1. Die Morgenseiten – Schreiben kann klären.
    3 Seiten aufs Papier bringen zu dem, was gerade da ist –  und ohne dass der innere Zensor sich einmischen darf. Darum geht es bei den Morgenseiten. „Eine Gehirnentleerung“ nennt Julia Cameron sie auch. Das klingt zwar nicht so gut, ist es aber. Den Strom der Gedanken loszulassen, klärt den Kopf für das, was wichtig ist. Wir schreiben und schreiben und schreiben, ohne darüber nachzudenken, ob dieser Gedanke gerade gut oder sinnvoll oder logisch ist. Dieses loslassende Schreiben ist morgens besonders sinnvoll, weil der Zensor da noch nicht wach ist. Mit den Morgenseiten merken wir, was in uns los ist, sie sind ein Wegweiser zu unseren Themen. Und sie sind nur für uns selbst. Niemand bekommt sie zu sehen außer uns.
  2. Das Leben ist ein Künstlerinnentreff.
    Das Gegenstück zu den Morgenseiten und genauso wichtig: ein regelmäßiges Date – zum Beispiel für 2 Stunden in der Woche – mit deinem inneren Künstlerkind. So füllst du deine kreative Quelle immer wieder auf. Zum Beispiel mit einem Ausstellungsbesuch, einem Konzert oder etwas anderem, das dich inspiriert. Aber: allein! Beim Künstlertreff geht es nicht um den Austausch mit anderen, sondern das innere Verarbeiten. 

    Auch in Nicht-Corona-Zeiten gibt es gute Gründe, den Künstlertreff auch mal vom Wohnzimmer aus zu unternehmen. Und jetzt eben besonders. Zum Beispiel über die Bildbände im Bücherregal (vielleicht findest du sogar Titel, von denen du gar nicht mehr wusstest, dass du sie hast) oder Online-Ausstellungen oder einen Film, den du schon länger anschauen wolltest. Ausflüge und Spaziergänge gehören bei mir genauso zum Künstlertreff. Wichtig ist nur, auch immer wieder neue Wege zu gehen und bereit zu sein für Entdeckungen. Und denke daran: Es geht um etwas, an dem du richtig Spaß hast, nicht um etwas, dass du tun „solltest“. Ausreden gelten übrigens nicht! Oder um mit einem Zitat von Julia Cameron zu schließen: „Sie können es sich nicht leisten, für Künstlertreffs keine Zeit zu haben.“
  3. Über Collagen ins Schreiben kommen – das Collage Dream Writing
    Collagen habe ich auch früher schon angefertigt. Aber nur ab und zu. Und meist in sehr großen Formaten, sodass sie nach einer gewissen Zeit hinter dem Schrank oder in der Kammer verschwanden. Das ist jetzt anders. Seit ich im letzten Herbst in einem Workshop das Collage Dream Writing von Johanna Vedral kennengelernt habe, entstehen bei mir Woche für Woche neue Collagen.

    Immer wieder setze ich mich mit einem Stapel Zeitschriften hin, blättere sie auf der Suche nach Bildmotiven durch, erstelle Collagen daraus und schreibe dazu. Mit der Methode habe ich auch ein neues Collagenformat für mich entdeckt: DIN A5. In diesem Format kann ich die Themen und Entwicklungen meiner Collagen durchblättern und mache dabei auch im Nachhinein immer wieder erstaunliche Entdeckungen.

    Ihren Ansatz stellt Johanna Vedral sowohl in ihrem Buch „Collage Dream Writing“ vor als auch in ihren Workshops. Über meine Erfahrungen damit habe ich einen Blogbeitrag auf „Jungle Writing“ geschrieben, einer gemeinsamen Homepage mit Kolleginnen: https://jungle-writing.de/jungle-writing-blog/ Schau mal rein auf dieser Spielwiese des kreativen Schreibens!

Zum Abschluss noch ein persönlicher Tipp: Wenn du dir gerade jetzt Zeit nehmen kannst, um ein Buch zu schreiben und dir das gelingt – wunderbar! Aber erwarte es nicht von dir. Wenn eine Woche verstreicht, in der du neben deinen sonstigen Aktivitäten die Morgenseiten schreibst, dich mit deinem Künstlerkind verabredest und auch noch das Collagieren ausprobierst – genauso großartig! Manch einen lässt diese Zeit zu künstlerischen Höhenflügen starten, aber viele brauchen auch mehr Muße, um mit ihren Gedanken und Gefühlen klar zu kommen. Sorge einfach gut für dich, egal wie kreativ du dich gerade empfindest. Du bist es sowieso.

Herzlich grüßt dich

Sigrid

Liebe Sprachfreundin, lieber Sprachfreund,

im Advent und zu Weihnachten singen die Menschen mehr als in den anderen Monaten des Jahres. Es müssen zwar nicht immer die ganz klassischen Lieder sein. Allerdings stecken gerade in denen oft die nicht mehr so gebräuchlichen Wortschätze, über die ich dir in diesem Newsletter ein bisschen mehr verrate.

Was singen wir denn da? Von Heißa, Mär und anderem:

  1. „Treibt zusammen, treibt zusammen die Schäflein fürbass.“
    Wer das Weihnachtslied „Was soll das bedeuten“ anstimmt, singt in der zweiten Strophe, dass die Schäflein fürbass zusammengetrieben werden sollen. Was mag das bedeuten? Der Duden weist erst einmal auf Vertrautes hin. Denn das „bass“ ist durchaus noch bekannter, zum Beispiel in „bass erstaunt sein“. Dieses „bass“ heißt eigentlich so etwas wie „besser“ oder „tüchtig“. Und fürbass heißt „besser vorwärts“.  Also voran ihr Schäflein, voran. 
  2. „Heißa, dann ist´s Weihnachtstag.“ in: „Morgen, Kinder, wird´s was geben.“
    Braucht man über „Heißa“ gar nicht groß nachzudenken, weil das eben so etwas ist wie „Juchhu“ oder „Holla“? Einerseits vielleicht. Andererseits macht der Duden auch hier ein bisschen schlauer. Dass er „Heißa“ als „Ausruf der Freude oder der Ermunterung“ erklärt, überrascht nicht, aber der Ursprung dann doch. Denn entstanden ist „Heißa“ eigentlich aus  „Hei“ (als einem Lockruf für einen Hund) und dem französischen „ça“ für „Hierher“.   
  3. „Der guten Mär bring ich so viel.“
    Das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von Martin Luther hat 15! Strophen. Kein Wunder, dass es auch Wortschätze enthält, so unter anderem „der guten Mär bring ich so viel.“ Wenn überhaupt, ist „Mär“ heute im Sinne unwahrer Geschichten gebräuchlich, als die „Mär von ...“. So war das bei Luther nicht gemeint. Bei ihm ist es (laut Wikipedia) die gute Nachricht. Es lässt sich auch als die frohe Botschaft oder „Kunde“ lesen – womit wir wieder bei einem anderen älteren Wortschatz wären.
  4. „Still schweigt Kummer und Harm.“
    „Harmlos“ – das kennen wir. Aber „Harm“ allein eher nicht mehr. Der Duden spricht von einem „großen innerlichen Schmerz, einen Kummer, einem Gram“. Und so heißt es in der nächsten Zeile des Liedes „Leise rieselt der Schnee“ auch gleich „Sorge des Lebens verhallt.“ Ein guter Wunsch für die Weihnachtszeit und die Tage zwischen den Jahren.

Ich wünsche dir friedvolle, frohe und entspannte Tage zum Jahreswechsel und einen guten Rutsch ins neue Jahr,

Sigrid

Liebe Sprachfreundin, lieber Sprachfreund,

eine der größten deutschen Märchenveranstaltungen – die Berliner Märchentage – geht in diesem Herbst in ihr 30. Jahr. Über all die Zeit hinweg zählten die Märchentage fast 4,5 Millionen kleine und große Besucherinnen und Besucher. Und Hamburg bekommt im September eine neue Märchen-Institution: Auf die Märchenwelten, die im September in der Hafencity ihre Tore öffnen, bin ich sehr gespannt. 

Das Hören und Erleben von Märchen liegt im Trend. Ans Märchen schreiben trauen sich nicht so viele heran, was ich schade finde. Deshalb werde ich beim Jahreskongress der National Association of Writers in Education in York im November über „Fairy tales are for everyone´s writing“ sprechen. 

4 Gründe, warum ich glaube, dass Märchen schreiben etwas für jede und jeden ist:

  1. In Märchen lässt es sich schnell hineinkommen.
    Ein einfacher Aufbau, bekannte Figuren, ein großer Fundus an Symbolen – Märchen schreiben ist ganz schön barrierefrei. Deshalb eignet es sich auch für unerfahrene Schreibende, egal welchen Alters. Das schafft (erstes) Schreibvertrauen. Das Experimentierfeld ist groß – ob man sich schreibend mit dem eigenen Lieblingsmärchen beschäftigt, Geschichten über das bekannte Ende hinaus weiterschreibt oder die bisher unbelebten Statisten (Kugel, Besen, Schuh, ....) ein Märchen aus ihrer Perspektive neu erzählen lässt. 
  2. Märchen sind Literatur.
    Noch ein Jubiläum: Tolkiens „Herr der Ringe“ erschien vor 50 Jahren das erste Mal auf Deutsch. Und Märchen stecken sowieso nicht ausschließlich in Fantasy drin. Ob Menschen, die im Berg verschwinden, geheimnisvolle Tiergestalten oder Spiegel, die mehr zeigen als die Realität, auch die zeitgenössische (Kriminal-)Literatur spielt immer wieder mit Motiven aus Märchen und Sagen.
  3. Märchen können Spiegel sein.
    Märchen verwandeln. Zum Beispiel von einer Gestalt in die andere. Oder indem sie die Heldin oder den Helden (über sich hinaus) wachsen lassen. Deshalb eignen sich Märchen auch gut als Spiegel, wenn wir uns mit eigenen Themen beschäftigen. Ob Hans im Glück, Rumpelstilzchen, Die kluge Bauerntochter oder eines der vielen, vielen anderen Märchen, schau doch mal, wo du gerade stehst und welches Märchen dir wie Spiegel sein kann.
  4. Märchen verbinden.
    Schnell ist das Märchen erzählt, nicht so schnell die Tat getan.“ In einem russischen Märchen habe ich letztens diese für mich neue Formel entdeckt. Aber Märchen bringen auch viele bekannte Formeln mit sich, von „Es war einmal ...“ bis „Und wenn sie nicht gestorben sind...“ Ob Figuren, Formeln oder Handlung, auch in unterschiedlichen Märchenkulturen lassen sich viele Ähnlichkeiten entdecken. So eignet sich das gemeinsame Märchenschreiben zum Schätze teilen über Sprachgrenzen hinweg.

Zum Schluss noch einen Veranstaltungstipp: „Verwandlung in Mythen und Märchen“ ist das Thema des Jahreskongresses der europäischen Märchengesellschaft e.V. Im Bauhausjahr findet dieser in Dessau statt – vom 25. bis zum 29. September 2019. Wer mehr dazu wissen möchte: www.maerchen-emg.de

Lass es dir gut gehen im Herbst, herzliche Grüße

Sigrid

Liebe Schreibfreundin, lieber Sprachfreund,

wenn ich nach Buchtipps zum kreativen Schreiben gefragt werde, frage ich oft erst einmal zurück: „Wofür (oder für wen) soll´s denn sein?“ Auch zu einem speziellen Thema wie dem kreativen Schreiben gibt es eine große Vielfalt an Ratgebern. Heute stelle ich dir 3 neue vor, die mein Schreib-Buch-Regal um weitere Schwerpunkte ergänzen:

3 Neue – für junge Schreibende, für Lehrerinnen und Lehrer und zum gesundheitsfördernden Schreiben:

  1. Schreib! Schreib! Schreib! Der geniale Schreib-Ratgeber aus Schweden, Beltz Verlag

Bei hundert habe ich aufgehört zu zählen. In „Schreib! Schreib! Schreib! – die kreative Textwerkstatt“ der schwedischen Autorinnen Katarina Kuick und Ylva Karlsson verstecken sich immer noch mehr Schreibimpulse. 2018 hat dieser sehr abwechslungsreich und mit vielen Grafiken gestaltete Schreibratgeber den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen. Er wendet sich an junge Schreibende – oder auch die oder den 15-jährige(n) in dir. Was bei den Autorinnen so leicht und spielerisch daherkommt, zeigt ein sehr profundes Wissen zu Themen wie Erzählzeit, Perspektiven oder Wortwahl. Zu den Übungen gibt’s außerdem Interviews, Erfahrungsberichte und Lektüretipps dazu.

  1. Kreatives Schreiben, 111 Übungen, Reclam Verlag

Unter-, Mittel- oder Oberstufe, Einzel- oder Gruppenarbeit, 1 Stunde, Stift, Papier, Zeitungsartikel“ oder „Mittel- oder Oberstufe, Partnerarbeit, 1 Doppelstunde, Stift und Papier“. Schon an den ersten Angaben für Schreibübungen wie „Science Fiction“, „Das große Los“ oder „Warum lesen?“ merkst du, an wen sich das blaue Reclam-Büchlein von Mario Leis vor allem wendet. Es ist für das kreative Schreiben in der Schule gedacht. Neu in der gerade erst aktualisierten Auflage: Nun ist auch das Schreiben für journalistische Formen und in den sozialen Medien berücksichtigt. Die komprimiert und übersichtlich vorgestellten Schreibimpulse lassen sich natürlich auch auf den außerschulischen Einsatz übertragen.

  1. Mit Schreiben zu neuer Lebenskraft, Kösel Verlag

Dieses Buch ist mehr als ein Buch. Es ist Teil eines Projektes zum gesundheitsfördernden Schreiben, das meine Netzwerk-Kolleginnen Susanne Diehm und Jutta Michaud in etlichen Jahren und mit viel Energie auf den Weg gebracht haben. In „Mit Schreiben zu neuer Lebenskraft“ stellen sie Übungen für Frauen mit Krebserkrankung und ihre Angehörigen vor. Die zahlreichen Schreibimpulse und Bilder bieten sich aber auch als Inspirationsquelle für jede/n zum stärkenden und inspirierenden Schreiben an.  Mehr Informationen zum Projekt und zu Fortbildungen im gesundheitsfördernden Schreiben findest du auch unter: https://www.schreibtour.info

Ich freue mich, wenn eine Inspiration für dich dabei war. Und wenn du nach einem anderen Buchtipp zum (kreativen) Schreiben suchst, sprich mich gern darauf an. Vielleicht weiß ich etwas für dich.

Herzliche Grüße

Sigrid

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